"Racing is life, everything else is just waiting."
Steve McQueen

Die Schlümpfe am Lausitzring
Geschrieben von: Web-Schlumpf   
Samstag, den 27. Mai 2006 um 22:49 Uhr
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Die Schlümpfe am Lausitzring
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Seid gegrüßt Ihr Gaskranken! Im folgenden versuche ich mich mal an meinem ersten Erfahrungsbericht über unseren letzten Schlumpfenausflug...

Prolog:
Der Eurospeedway Lausitz – Nudeltopf, Betonkessel, von politisch interessierten gerne auch Stolpe-Ring genannt ;-)
Diese seltsame Piste war für mich bisher kein echter Spaßbringer und rangierte

daher in meiner persönlichen Favoritenliste immer ganz weit unten. Besonders diese unschlumpfigen Übergänge vom Infield auf die Gegengerade und auf Start/Ziel lösen heftigen Brechreiz aus... Aber was solls: ich war nun schon seit Cartagena im Februar (siehe Bericht von Papa-Schlumpf) nicht mehr beim aufzünden und litt unter bedenklichen Entzugserscheinungen, außerdem wollte Papa-Schlumpf (von seinen Eltern 'Erich' getauft, im Forum auch als 'er' bekannt) unbedingt hier hin. Also um des Aufzündens Willen zugesagt, vielleicht könnte ich ja meinen Frieden mit dem brandenburgischen Betonkessel machen.
Unser Mechaniker-Schlumpf (mit Namen Peter im Ausweis, hört aber auch auf 'Greppy') konnte wegen beruflicher Verpflichtungen dieses Mal leider nicht mitkommen und hatte deswegen einen mordsmäßigen Grant, wie man bei uns in Bayern sagt.

Freitag, Anreisetag:
Am Vormittag fülle ich meinen Ducato (der seit einem akuten Kühlerleiden im letzten Jahr auch liebevoll 'türkische Dampfsauna' genannt wird) bis zum Dach mit unseren Mopeten, Reifen, Werkzeug und was man halt so alles für Gerümpel braucht um im Fahrerlager möglichst gut über die Runden kommt. Irgendwann am Nachmittag schlage ich bei Papa-Schlumpf auf. Bevor es losgeht kredenzt uns seine Angetraute noch lecker Nudeln als Marschverpflegung. Nun denn, noch mal alle aufs Klo und dann reiten wir los! Ich starte die Dampfsauna, lege den ersten Gang ein, wir rollen an und 'FUMPP!'. Nach ungefähr 9,847 Metern öffnet Papa den ersten Hopfentee! Als der älteste und erfahrenste unter den Schlümpfen lässt er erst gar keinen Vitaminmangel aufkommen ;-)
Auf der Autostrada passiert nix aufregendes, nur Papa jammert ein bisschen weil ihm das Gebläse des auf dem Mittelsitz platzierten Kühlschranks permanent die Achselhaare fönt. Kurz hinter Hof plädiere ich für einen Fahrerwechsel und hole mir sogleich einen Hopfentee aus unserem Achselhaarfön – schließlich ist es Freitag 1800h, in meinem Leben als Arbeiterschlumpf traditionell die Zeit für ein Feierabendbier...
Nach der Ankunft im Fahrerlager und der standesgemäßen Begrüßung unserer Hamburger Freunde, allen voran Nicole (die nicht nur eine ganz liebe Person ist, sondern auch die weltbesten Gerichte zaubert und sich immer ganz rührend um uns kümmert) und Christian, wird erst mal die Sauna ausgeladen und das ganze Zeug in die Box geschafft. Der Rest des Abends klingt mit kleinen Basteleien an den Mopeds, einem fürstlichen Abendmahl und diversen Hopfentees langsam aus....


Samstag, Trainingstag:
Der Wecker reißt mich mit unsäglichem Gepiepse aus meinen Träumen von Sonnenschein und schnellen Runden. Papa-Schlumpf ist offensichtlich schon unterwegs, vermutlich schon vor Stunden von der senilen Bettflucht aus den Federn geholt ;-)
Irgendwas ist anders als sonst: mein Hals schmerzt so wie er es immer zum Beginn einer Erkältung tut! Verdammt, dabei habe ich mir doch gestern jede Menge Vitamine in Form von Hopfentee eingeflösst! Na toll, geht ja schon gut los... Egal, erst mal schön frühstücken und zur obligatorischen Fahrerbesprechung. Papa und ich geben uns mit unseren Schlumpfenjacken zu erkennen – bis auf Hajo und Carsten sehen wir aber kaum bekannte Gesichter.
Sodele, Robert hat fertig geredet. Gleich können wir die Piste entern. Also ins Leder gehüpft, den Reifen die Kuscheldecken weggenommen, Zündung an, Starterknopf gedrückt und: NICHTS! Verdammt, völlig vergessen dass die Batterie schon seit langem im Sterben liegt und eigentlich eine Stromtherapie gebraucht hätte :-/
Nicht so schlimm, Mark Weihe hat zum Glück eine Startermaschine für die Zweitaktsägen seiner schnellen Söhne dabei und hilft kurz aus...
Nun denn, ich beschließe gleich mal eine komplette Tankladung zu verfeuern um die alten Knochen wieder locker zu schütteln, mich ein bisschen auf diese Dreckspiste einzuschießen und sinnigerweise der kränkelnden Batterie wieder etwas Leben einzuschlumpfen.
Die Trainingsrunden verlaufen ohne besondere Vorkommnisse, irgendwann leuchtet die Reservelampe und ich biege ab in Richtung Boxen. Die sich anschleichende Erkältung zollt aber bereits ihren Tribut und ich schwitze und keuche wie Otti Fischer nach dem Aufstieg zur Zugspitze! Also bis zum ersten Qualifying erst mal pausieren und ein zweites Frühstück einlegen...
Das erste Zeittraining beginnt bereits kurz nach Mittag und soll nur kurze 10 Minuten dauern. Robert hatte es diesmal zweigeteilt um der unlustigen Wetterlage möglichst ein Schnippchen zu schlagen. Am Ende stehe ich auf dem provisorischen achten Platz und bin erst mal zufrieden. Im Qualifying Nummero Due kann ich meine Rundenzeiten leider nimmer verbessern und werde auf Platz 10 durchgereicht. Auch damit kann ich leben und werde deshalb sicher nicht hinter einen fahrenden Zug springen ;-)
Papa-Schlumpf landet bei den 1000ern auf Startplatz 19, während Martin Bauer vom Holzhauer Racing Team mit einer 1:44er Zeit die Latte anständig hoch hängt.
Pünktlich nach den Zeittraining öffnen die schon den ganzen Tag am Himmel hängenden dunkelschwarzen Wolken ihre Schleusen und lassen das Wasser zu Boden fallen was das Zeug hält. Wir beschließen, dass es jetzt vier ist und geben uns dem ersten Feierabendbier hin. Später werden natürlich wieder tote Tiere auf den Grill geworfen und mit Nicoles’ hervorzüglichen Beilagen verspeist....


Sonntag, Renntag:
Der Wecker macht schon wieder so hässliche Geräusche, Papa hatte offenbar auch schon wieder Druck auf der Blase – zumindest keine Spur von ihm im Schlafgemach. Mein Hals brennt wie Feuer und inzwischen brummt auch der Kopf schon ganz anständig. Also direkt nach dem Aufstehen das eine oder andere Aspirin eingeschmissen und den Streckenarzt zur Linderung des lodernden Rachens konsultiert. Der drückt mir ein paar rote Lutschtabletten in die Hand und meint „nimm aber nur alle 3 oder 4 Stunden eine, sonst bekommst Du Flitzekacke!“. Ein sehr schlumpfiger Hinweis, wäre doch sehr unangenehm mitten im Rennen plötzlich.....na ja, lassen wir das! Wenn mein Lederkombi vom Typ 'InkontinenzaGP' wäre, würde es vielleicht nix machen – aber so....
Ich lasse es mit drei oder vier frühmorgendlichen Aufwärmrunden gut sein und konserviere meine schwindenden Kräfte für die beiden Rennen des Tages. Mal davon abgesehen habe ich am Renntag eh nie große Lust auf unnötige Trainingsrunden.

Rennen 1 ist für 10:30 Uhr und 7 Runden angesetzt.
Nach verhaltenem Start reihe ich mich gefühlsmäßig irgendwo um Platz 10 ein. Nach dem anfänglichen Gerangel um die Positionen kehrt zügig Ruhe ein und ich finde mich am Ende eines Dreierpulks wieder, als zwei pfeilschnelle giftgrüne Geschosse vorbeipfeifen. Aha, die beiden Kawa-Piloten aus der IDM hatten also beschlossen das Feld von hinten aufzurollen – das erklärt auch die beiden leeren Startplätze in der ersten Reihe. In den nächsten darauffolgenden Runden passiert nicht viel und jeder bleibt auf seiner Position innerhalb unserer Gruppe, bis mein Vordermann Eingangs Start/Ziel seinem Hinterreifen zuviel abverlangt und sich relativ unspektakulär auf die Fresse legt. Durch das nötige Brems- und Ausweichmanöver, um den armen Tropf nicht zu überrollen, verliere ich den Anschluss zum verbleibenden Gegner und fahre die letzen beiden Runden einsam zu Ende bis ich schließlich als Achter abgewunken werde.
Nach einem kleinen Mittagssnack gönne ich mir noch etwas Ruhe bis zum zweiten Rennen, das diesmal über 19 Runden geht.
Start! Ich komme wieder nicht sonderlich gut weg und schwuchtle total in die erste Kurve rein. Im Geschlängel bis zur Gegengeraden zähle ich mindestens zehn Fahrer vor mir, eine Runde später ist der Zug mit der Spitzengruppe schon abgefahren. Mit einem weiteren Piloten bilde ich eine einsame Zweiergruppe, sowohl vor als auch hinter uns ist viieel Luft. In einigen Ecken könnte ich etwas schneller als er, zum überholen reicht es aber nicht ganz – oder in anderen Worten: ich hab zu viel rumgeschwuchtelt und kam deshalb ums verrecken nicht nah genug ran. So dauert es weitere sieben Runden bis ich mir Eingangs der APCOA Kehre endlich sagte „jetz sei endlich ein Männerschlumpf und überhol den Sausack auf der Bremse!!“. Gesagt, getan – schwupps und vorbei. Warum hat das eigentlich so lange gedauert? ;-) Im Anschluss daran ziehe ich bis ins Ziel meine Runden so einsam wie Tom Hanks auf seiner Insel. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, andererseits ertappe ich mich dabei wie mir ein paar Ecken von dieser gehassten Strecke doch tatsächlich Spaß machen – vor allem Kurve 11, der Vollgas-Rechtsknick aus dem man so schöne schwarze Striche ziehen kann.
Irgendwann steht dann auch der Robert auf der Strecke und wedelt mit der schwarz-weissen Flagge. Gewertet werde ich am Ende auf Position 9 und habe damit in beiden Rennen zumindest das gesetzte Ziel „Top Ten“ erreicht.


Papa-Schlumpf kämpfte sich im ersten Rennen auf Platz 13 vor und sah ebenfalls durchaus zufrieden aus. Im zweiten Rennen der 1000er kam leider ein kräftiger Regenschauer und er brach das Rennen ab. Eine durchaus vernünftige Denke, weil er ja am Montag wieder Brötchen verdienen soll und man auf diesem Belag im Regen bekanntermaßen ganz schnell auf die Fresse fliegen kann. Für die anderen Piloten wurde das Rennen nach erreichen der Mindestrunden dann auch direkt von der Rennleitung beendet...

Danach machten wir uns direkt ans packen und brachen recht zügig nach einer letzten Portion Nudeln wieder auf in die Heimat.

Fazit:
Der Eurospeedway wird wohl niemals zu meinen Lieblingsstrecken zählen, aber immerhin haben wir an diesem Wochenende Frieden geschlossen. Außerdem war’s ja mal wieder ein spaßiger Schlumpfenausflug... ?

 

 

 

Termine 2010

  • 29.03. - 01.04. Alcarras
  • 07.05. - 09.05. Most
  • 11.06. - 13.06. Brno
  • 25.06. - 27.06. Pannonia
  • 16.07. - 18.07. Slovakia
  • 21.08. - 22.08. Lausitz
  • 17.09. - 19.09. Most

prospeed racer cup 2010

SPORTBIKES (nach 11 von 11 Rennen)
1. Carsten Thiemann
204
2. Tom Gasteiger
167
3. Jens Krause
126
4. David Pfitzner
106
5. Martin Jochum
48
6. Peter Greppmair
41
7. Barbara Pulfer 39
8. Tom Wagenhofer 30