"Ich schieb mir noch ein drittes Ei
in die Kombi und los gehts!"
Hajo A.

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Albacete & Catalunya, die spanische Woche der Schlumpfenbande
Geschrieben von: Papa-Schlumpf   
Samstag, den 17. März 2007 um 19:22 Uhr
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Albacete & Catalunya, die spanische Woche der Schlumpfenbande
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Die Geschichte beginnt eigentlich schon im Februar 2006, als wir in Cartagena unseren Freunden der "Debus-Truppe" die Hände zum Abschied schüttelten. Schon seinerzeit schlugen Jürgen K. und Stefan D. vor, im kommenden Jahr doch mal wieder selbst eine Veranstaltung zu organisieren – vielleicht mal wieder in Albacete, wie schon vor einigen Jahren. Nachdem alle Anwesenden spontan mit den Köpfen nickten war die Sache quasi auch schon beschlossen.


Es zogen einige Monate ins Land und wir vergnügten uns auf der einen oder anderen Aufzündveranstaltung bis sich die Pläne konkretisierten und es galt ein bisschen Werbung fürs kommende Spanienevent zu machen.

Von allen redlichen Aufzündern die uns als Mitfahrer einfielen, blieb am Ende nur uns Kumpel David aus dem hohen Norden übrig – ein schneller 600er-Mann, der in der vergangenen Saison beim Robert auf den vorderen Plätzen mitmischte...

Nach vielen e-mails und einigen Telefonaten stand schliesslich im Januar fest, dass wir zu viert die knapp 2000 km lange Reise machen würden. Wir, das sind wie immer Papa-Schlumpf (Erich), Junior-Schlumpf (Peter), Web-Schlumpf (Tom) und David, der natürlich auch noch die zusätzlichen Meilen von Hamburg nach Bayern abzusitzen hatte...

Am Samstag, den 24.02.2007 trafen wir uns also in Juniors Werkstatt um den geliehenen (diesmal geschlossenen) Hänger, der in seinem normalen Leben einen Porsche an diverse Rennstrecken bringt, mit unseren vier Mopeten sowie Material und einem Reifenhaufen von gigantischem Ausmaß zu befüllen.

Ich kam in alter Gewohnheit approximativ eine halbe Stunde zu spät und freute mich bei einer Tasse Kaffee darüber, dass Papa und Junior schon ihre Aufzündgeräte verladen hatten. Zum ersten Mal sah ich Junior's nagelneue GSXR600 in fertig umgebautem Zustand. Das gute Stück hatten Junior und ich am Vortag des Heiligen Abend beim Suzuki-Händler unseres Vertrauens in Siegen in Verbindung mit ein paar abendlichen Hopfentees abgeholt, der darauf folgende Tag soll Gerüchten zu folge in den Memoiren des Jürgen K. als "der Heilige Abend der grossen Kopfschmerzen" eingegangen sein...

Wie auch immer, wir luden in den kommenden Stunden den Hänger soweit möglich. Denn David befand sich samt Moped und Material noch irgendwo auf der Autostrada in Richtung Odelzhausen. Da wir also nicht weitermachen konnten, gönnten wir uns eine Pause in Junior's Wohnzimmer und brachten uns mit der Aufzeichnung der Superbike-WM in Qatar quasi schon mal etwas in Aufzündstimmung.

Als unser Freund aus dem Norden bei uns aufschlug wurde weitergeladen bis an die Hängerdecke und schnell war später Abend. Wir genehmigten uns noch ein Feierabendbier und freuten uns schon auf die Fahrt gen Süden...


Anreise:

Am Sonntagmorgen war erstmal ein ausgiebiges Frühstück im Fürstenfeldbrucker Parkcafe angesagt um uns für die lange Reise zu stärken. Gegen Mittag waren wir dann langsam so weit und enterten mit unserem Gespann den Highway nach Spanien. Trotz mehrfacher Umladeversuche lief der Hänger nicht optimal und schlingerte uns mit langsamen Schwingungen behäbig in Trance.
Doch es dauerte nicht sehr lange bis uns ein verdächtiger Geruch und ein sichtlich nervös wirkender PKW-Fahrer noch vor Freiburg zum ersten Halt zwangen. Ein kurzer Blick hinter Junior's Schlumpfomobil brachte Aufklärung: das Stützrad des Hängers hatte sich trotz roher Gewalt beim festziehen langsam nach unten geschraubt und eine Menge Gummiabrieb auf der maroden A5 hinterlassen. Auf dem Bild ist die neuartige, für extreme Steilkurven optimierte Reifenkontur deutlich erkennbar


Von solchen Kleinigkeiten liessen wir uns aber erst gar nicht aus der Ruhe bringen und machten uns mit unserem swingenden Gespann wieder auf den Weg. Die Stunden vergingen ohne besondere Vorkommnisse, als die Nacht hereinbrach bauten wir die Rückbank zum Bett um, um wie geplant in Schichten fahren zu können. Das Schlafen gestaltete sich dank der permanenten Schwingungen als durchaus interessant und bescherte den Nichtfahrern recht lockere Hüften.

Sehr lange geschah nichts aufregendes, bis wir – es war bereits Montag Mittag - kurz vor Albacete zu unseren Siegenern Freunden stossen wollten, die im Hinterland einige Tage mit Klettern verbrachten. Wir gondelten also langsam über landschaftlich schöne, aber doch recht holprige Strassen als Junior plötzlich meinte "Jungs, ich glaub wir laden grade ab!". Wie's der Teufel wollte, waren sämtliche Schweissnähte der Bolzen gerissen die die Kippvorrichtung des Hängers sichern sollten. Da wir glücklicherweise kurz vor Freiburg das Stützrad mit einem Gurt gesichert hatten, war das Stützrad gerade unsere Versicherung gegen ein vollständiges Abladen unserer geliebten Fracht geworden . Also geschwind alles mit grossen Spanngurten gesichert und den Umweg abgebrochen. Wir machten uns direkt auf nach Albacete um möglichst gleich eine Box zu beziehen und den Hänger bei einer ansässigen Werkstatt schweissen zu lassen.

Wir bezogen also erst mal eine freie Box und beäugten die gerade laufende Veranstaltung eines französischen Organisators. Neben ganz normalem Aufzündvolk waren auch ein paar mehr oder weniger professionelle Teams zum testen hier. Unter allen Fahrern stach auf jeden Fall Gwen Giabbani hervor, der ja für diese Saison zum Kawasaki France World Endurance Team gewechselt ist. Er war klar sichtbar deutlich schneller unterwegs als alle anderen Anwesenden und legte mit seinem grünen Geschoss wie am Fliessband 33er und 32er Zeiten aufs Parkett.
Motiviert bis in die Haarspitzen legten wir bei der Gelegenheit unsere eigenen Ziele fest und schnell waren wir uns einig, dass wir zumindest knapp unter die 1:40 kommen wollten...


Irgendwann am Abend, wir gönnten uns in unserer (noch sehr ordentlich eingerichteten Box) grade einen Hopfentee, klopften Dirk und Jörg aus Siegen an der Tür und begrüssten uns freudig. Kurz darauf kamen auch noch die 2D-Mannen Hubert und Miguel dazu, die direkt vom IRTA-Test in Jerez kamen und uns gleich über die Leistungen der MotoGP-Helden informierten.

Zusammen begaben wir uns in die Stadt um uns die Bäuche mit spanischem Rindfleisch zu füllen und das Leben zu geniessen. Zurück im Fahrerlager liessen wir mit gespanntem Ranzen und dem einen oder anderen Betthupferlbier den Tag ausklingen...

Die Vorkommnisse des Dienstags sind schnell erzählt: Papa meinte morgens die Strecke im Laufschritt erkunden zu müssen. Am Nachmittag machten wir eine Werkstatt ausfindig, die uns den Hänger für nen Fuffi schweißte. Die wenigen restlichen Teilnehmer (insgesamt waren wir ja nur etwa 30 Fahrer) trudelten im Lauf des Tages ein. Man begrüsste sich oder stellte sich vor. Der eine oder andere passte noch die Übersetzung an oder bastelte anderweitig am Motorrad. Kurz vor Sonnenuntergang machten sich mehr oder weniger alle Aufzünder mit dem einen oder anderen Hopfentee in der Hand auf den Weg, die Arena unserer zukünftigen Heldentaten zu Fuß zu erkunden. Als es endlich dunkel war gingen wir mit der Debus-Truppe in unser absolutes Lieblingsrestaurant, das El Callejon, um ein paar leckere Vorspeisen und zum Abschluss ein perfektes Steak zu geniessen.

Den Abend liessen wir zur Vitaminmangelvorbeugung mit einem Hopfentee ausklingen und gingen, voller Vorfreude auf die kommenden drei Aufzündtage, zu Bett...


Mittwoch, 28.02.2007:

Der erste Veranstaltungstag begann wie üblich mit der Fahrerbesprechung, und dadurch etwas früher als die restlichen Tage. Um approximativ 0900h MEZ (0630h gefühlte Zeit) ergriff Jürgen das Wort und begrüsste die überschaubare Aufzündgemeinde. Neben den üblichen Ausführungen wurde festgelegt, dass in der ersten Stunde Instruktorfahrten für die Kringelneulinge stattfinden würden. Papa und ich wurden ebenfalls als Instruktoren eingeteilt und unseren Schützlingen vorgestellt.

Bevor wir die Strecke entern durften, stand noch ein Gruppenfoto auf Start-Ziel an.

Nun denn, der letzte Pflichtpunkt vor der Kür stand an: Instruktorfahrten. Mir wurden drei Schützlinge zugeteilt. Gunther, Bernd und Matthias. Eigentlich war nur Gunther ein echter Anfänger, die beiden anderen wollten sich angesichts mangelnder Streckenkenntnis nur mal die Linie zeigen lassen. Nach zwei eher gemütlichen, man könnte auch sagen arschlangsamen Turns, verabschiedeten sich die beiden Nichtanfänger und ich drehte mit Gunther alleine meine Kreise. Nach jedem Versuch das Tempo leicht zu steigern klaffte jedoch eine grosse Lücke zwischen mir und meinem Schüler, und ich erwischte mich bei dem Gedanken warum denn immer ich die langsamsten abbekomme. Doch drei Kurven später liefen wir auf Papa mit seinem Schützling auf und plötzlich verschwand mein Selbstmitleid und ich fühlte mit Papa!

Ratzfatz war die erste Stunde um und Gunther freute sich auf seine ersten Runden im Alleingang. Meine R6 noch nicht mal vor, geschweige denn in der heimischen Box abgestellt, rollte Junior mit seinem nagelneuen und in der Einfahrphase befindlichen Aufzündgerät die Boxengasse herein. Er hielt auf mich zu, stoppte, und drückte mir die kleine Suzi in die Hand mit den Worten „fahr Du mal zwischendurch weiter, die muss heute noch fertig eingefahren werden!“. Sowas braucht man mir natürlich nicht zweimal sagen, also setzte ich den Plastikhut direkt wieder auf und pflanzte mich auf die Kiste. Jürgen sah das und freute sich, versucht er doch seit 5 Jahren mir eine Suzi zu verkaufen

Nach zwei Eingewöhnungsrunden freundete ich mich schnell mit diesem Spassgerät an und ich hätte am liebsten gar nicht mehr aufgehört, wäre da nicht der Bedarf nach neuem fossilem Brennstoff dazwischen gekommen. Also gab ich die Mopete wieder in die Hände des rechtmässigen Besitzers und gratulierte ihm zu seiner hervorzüglichen Neuanschaffung.

Der Rest des Tages verlief relativ unspektakulär, wie das an ersten Tagen nach der Winterpause eben so läuft. David und ich fuhren meistens gemeinsam raus um erst mal ein Gefühl für die Strecke zu bekommen. Das eine oder andere Mal schloss sich uns auch Papa an und wir umkreisten als Dreierpulk die Strecke, wobei wir die Positionen im Pulk immer wieder mal durchwechseln damit man sich evtl. gegenseitig das eine oder andere abschauen kann. Wir hatten dabei jede Menge Spaß und freuten uns des Lebens. Ausser ein paar kleinen Änderungen an der Übersetzung und vereinzelt mal ein Reifenwechsel passierte nicht viel und wir machten mit einem schönen Weißbier bereits um kurz vor 1800h Feierabend.
Nach etwas Benzingesprächen und einer überfälligen Dusche machten wir uns auf nach Albacete. Dort fielen wir im Restaurant ‚La Mafia’ ein und füllten unsere Bäuche mit mehr oder weniger sizilianischen Spezialitäten.
Zurück im Lager der Gebückten beendeten wir den Tag wie üblich mit einem Betthupferlhopfentee in der Siegener Box und zogen uns dann langsam in die Penntüten zurück. Schnell schlummerte ich weg und träumte von den Heldentaten des nächsten Tages...


Donnerstag, 01.03.2007 - aus Papa’s Sicht:

Das goile an Albacete ist die klimatische Lage im Frühjahr. Morgens ist die Strecke noch recht kalt, sodass die geliebte Aufzünderei erst um zehnhundert beginnt. D.h., man kann sich abends den gesellschaftlichen Verpflichtungen hingeben, ohne am näxten Morgen ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Der Zeitplan wollte es – und wir wehrten uns nicht wirklich dagegen - dass die schnelle Gruppe erst um 10.30 Uhr zur ihren Heldentaten aufzubrechen hatte. Ich glaube, dass ich anderer Stelle schon mal angedeutet habe, dass ich von den 24h in Oschershausen träume. Diesen Tag hatte ich mir vorgenommen den einen oder anderen Longrun zu absolvieren. Den ersten Turn benötige ich normalerweise als Warmup, sodass ich am Abend zuvor einen total ausgelutschten Michelin hinten montiert hatte. Das wirkliche schwarze Gold benötige ich für die ersten 15 min normalerweise noch nicht. Ich enterte die Strecke mit leicht erhobenem Vorderrad und begann mich einzurollen. Es dauerte ungefähr 5 Runden bis Dirk mich mit seiner 59er überholte und sich fragend umblickte. Warum schalte ich in so einer Situation sofort die Birne aus? Ich wechselte vom Warmup-Modus in den Cruisingmodus und der Lappenzeiter zeigte die ersten 44er Zeiten. Papa, cool down! Du hast den ganzen Tag noch vor dir!! Ich benötgte ca. 3 Runden bis ich innerlich zu dem Ergebnis kam, dass ich es in Anbetracht der hinteren Reifensituation vielleicht etwas ruhiger angehen lassen sollte. OK, ich hob nach der Schikane die Hand und verließ die Arena der Aufzünder. Ich kam zur Box und sah einen ziemlich niedergeschlagenen David. War doch die Schweißnaht eines Verbindungsrohrs zwischen 3. und 4. Krümmer gerissen und er hatte seine Kleine um die halbe Strecke geschoben (keine Ahnung warum sich der Schandwagen um ihn nicht gekümmert hat). Er meinte, dass es auf der Gegengeraden zur schnellen Rechts doch tatsächlich bergauf gehen würde. Er hätte vorher schon mal eine derartige Vermutung gehabt, da seine Kleine auf diesem Stück immer fast ausgehen würde. Ein Umstand der uns Kilo-Fahrern in dieser Form eigentlich nicht bewusst war . Miguel organisierte eine Werkstatt, die den Krümmer im Laufe des Nachmittags schweißen sollte. Schade für David war dieser Tag gelaufen .
Ich wechselte die hintere Felge und bereite mich auf den ersten richtigen Turn vor. Es gab nicht viel zu berichten, ich fuhr und fuhr und fuhr und plötzlich leuchtete eine eigenartige gelbe Lampe, die mich daran erinnerte, dass dieser Zustand der Ekstase nicht ewig dauern würde. Ich rollte in die Boxengasse, schob den Boliden in die Box und bereitete ihn auf den näxten Run vor. Ich gönnte mir ebenfalls eine kleine Stärkung und schaute dem Treiben zu. Junior war mit seiner Neuerwerbung richtig glücklich, ab und an haderte er mit sich, aber alles sollte gut werden .
Der nächste Turn begann unspektakulär. Auf einmal kam Dirk vorbei – oder bin ich auf ihn aufgelaufen, ich weiß es nicht mehr – und wir begannen gemeinsam zu kreiseln. Mein Vorderradreifen hatte seinen Höhepunkt schon hinter sich und ich konnte sein nun angeschlagenes Tempo nicht ganz mitgehen. Dirk tat mir aber den Gefallen auf Start-Ziel immer die 0,3 sec zu warten, die ich auf ihn verlor. Wir bewegten uns die ganze Zeit in 42 und 43er Regionen. Gestern hatte ich schon eine 42 in den Asphalt mit Gewalt gebrannt, heute gingen diese Zeiten trotz angeschlagenem Material bereits spielend. Nach knapp einer 3/4 Stunde fuhren wir in die Boxengasse und ….. wechselten die Mopeds und fuhren wieder raus, hehe.
Ich saß das erste Mal auf einer 24h-Hure. Nach dem Desaster letztes Jahr – Dirk war nach 22,5 h mit 5 Runden Vorsprung in Führung liegend wegen einer gebrochenen Schaltwelle per Highsider über die 59 gegangen – haben sich die 59er eingebildet einen Schaltautomaten fahren zu müssen. Ich beschleunigte und betätigte den Schalthebel ohne das Gas zurückzunehmen. War das ein geiles Gefühl …. Ich bremste die Hairpin an, gut, das gefällt mir. Die Sitzposition war nichts für mich. Auf meinem Boliden sitze ich gefühlt 1 m höher. Beschleunigen auf die Aufziehlinks, beim Umlegen von der Hairpin auf die Links geht der Schräglagenwechsel leicht vonstatten. Nicht schlecht, so ne Kilo-K5. Ich fahr in die Aufziehlinks rein, Scheiße wo soll ich meine Haxen verräumen. Diese Sitzposition bringt mich um. Ich beschleunige auf den schnellen Linksknick zu. Oops, hat die Kiste nen Bums, ich glaube ich sollte mal bremsen. Beim ersten Durchfahren der schnellen Links brauch’ ich gleich die Außencurbs, Mist und die ganze Zeit gilt „Big brother is watching you“, was ich ihm nicht gleich beichte sieht er später auf dem Datarecording. Und ihm als unbestrittenem Meister des Datarecordings entgeht nichts, rein gar nichts , versprochen

Die niemals nicht endende Linkskurve und die nächsten beiden Rechtskurven brachten nichts Neues, nur das ich meine Beine wegen der Sitzposition nicht verräumt bekomme. Auf der Gegengeraden – die Stelle wo die 600er angeblich ausgehen – will ich mich klein machen und aua, Scheisse was ist das? Der Tankstutzen für die Schnelltanke bohrt sich gerade in mein Brustbein! Muss das bei einer 24h-Hure so sein? In den letzten Kurvenkombinationen also der Rechts-Links-Schikane und der längeren Rechts auf Start-Ziel nur die üblichen Probleme, wo tu ich nur meine Haxen hin. Ich sehe schon, die Abstimmung einer 24-h Hure ist nicht so einfach. Das fängt an über die Sitzposition hoch oder tief, hart oder weich über Schaltschema, Lenkerstummel, Position und Abstand des Bremshebels, Position der Fußrasten und und und trotz allem, diese 5 Runden waren ein Erlebnis und eine Erfahrung. Zurück in der Boxengasse tauschten wir unsere Eindrücke aus. Ich rollte vor zu unserer Schlumpfen-Box, Web war gerade dabei sich auf den nächsten Turn vorzubereiten. Oops, kurz getankt und ab gings, hehe, ich war ja nicht zum Spaß hier Irgendwann war dann doch mal genug.
Ich gönnte mir eine Pause, stärkte mich und tankte. Ich saß ziemlich entspannt in einem Stuhl, als plötzlich Rot war. Ein Ducatisti war gestürzt und hatte sich die Hand gebrochen und musste leider ins Krankenhaus, da sein Kreislauf offensichtlich angeschlagen war. Dann hieß es plötzlich wieder „Gentleman start your engine“. Die Ordnung in langsame und schnelle Gruppe war wegen der längeren Pause aufgehoben und jeder wollte noch mal raus. Dieses nicht wirkliche Problem löste sich nach 20 – 25 min von selbst, da die meisten Jungs offensichtlich müde wurden . Gegen 17.40 Uhr überholte mich Stefan und wir fuhren dem Sonnenuntergang entgegen. Trotz meiner alten Reifen fuhr ich in tiefen 43er und hohen 42er Zeiten, musste aber zum Stefan allmählich abreißen lassen. Das heißt, er müsste in 41er Regionen unterwegs gewesen sein. Auf einmal – man glaubt es kaum – steht da so ein Männlein mit einer Schwarz-Weiss-karierten Flagge und der Tag war zumindest hinsichtlich des Aufzündens vorüber. Der Tag war in den Worten meiner Kinder ausgedrückt – bis auf das Missgeschicks des Ducatisti, aber das sollte der einzige Zwischenfall bleiben – endgeil. David hatte seinen Krümmer bereits geschweißt und wir öffneten unser Feierabendweißbier, setzten uns vor die Box und waren einfach nur glücklich. Unsere Schlumpfen-Box hatte den Vorteil, dass die gegenüberliegende Tribüne eine Lücke aufweist und die Sonne schien uns bis zur letzten Sekunde ins Gesicht.

Zum Abendessen wollten wir eigentlich wieder unser geliebtes Restaurant aufsuchen, denn was man verfährt kann man auch verfressen (eine nicht zu verleugnende Lebensweisheit von Dirk), aber aus irgendwelchen nicht mehr nachvollziehbaren Gründen versackten wir in der Box der Siegener. War das ein Abend, ich glaube wir haben ein Taxi gerufen um irgendwann in den Morgenstunden zu unserer Box zu gelangen, oops.


Freitag, 02.03.2007 - aus Papa’s Sicht:

Morgens gegen gefühlte sechshundert, tatsächlich wahrscheinlich approximativ gegen neunhundertdreißig öffnete der Suzuki-Händler unseres Vertrauens Jürgen K. die rechte Seitenwand unseres Schlumpfenmobils von außen und weckte uns und vor allem mich aus einem komatösen Tiefschlaf. Junior hat Angst nachts zu erfrieren und lässt deshalb die Standheizung die Nacht durchbrennen, sodass aus Ermangelung an Sauerstoff und Temperaturen um die 97°C sofort bei Betreten des Schlumpfenmobils eine Komatöse Abwesenheit des Deliquenten eintritt. Oops, wo bin ich. Ach ja, ich glaube gestern hatten wir den einen oder anderen Feigling vernichtet und wie sind wir heimgekommen? Zu Fuß oder mit dem Taxi? Ist sie Erde eine Scheibe? Wer hat die flüssige Seife erfunden und warum? Das waren alles Fragen, bei denen ich mir im Augenblick nicht sicher war, ob es dafür schon einen Antwort gibt. In Anbetracht der körperlichen Gesamtsituation wird der erste Turn sicherlich nicht vor elfhundert stattfinden.

Irgendwann legte ich die Rüstung an und begab mich mit leicht erhobenem Vorderrad auf die Piste. Nach knapp 20 min kam ich zurück und bereitete meinen Boliden auf das Sprintrennen vor. Web hatte die Pole, Dirk war auf zwei, Stefan auf drei, meiner einer auf vier, David leider aufgrund des gestrigen Debakels auf fünf. In Spanolien darf man offensichtlich nur noch gegen Entrichtung einer exorbitanten Gage ein Rennen durchführen, sodass wir einen heimlichen fliegenden Start durchführen mussten. Web hatte ich den Tipp gegeben, das Feld bis zur Schikane irgendwie mit langsamer Fahrt zusammen zu halten und aus der Schikane Feuer zu geben und dann in der Rechts auf Start-Ziel sein Heil in der Flucht zu versuchen und dann zu hoffen bis zum Ende der Geraden nicht das Opfer der einen oder anderen Tausender zu werden ….

Irgendwie schien er meinen Rat zu beherzigen und suchte sein Heil in der Flucht, doch Ende Start-Ziel waren Dirk und Stefan mit ihren Kilo-Geschossen schon an ihm vorbei. Für mich reichte es nicht ganz …. Nun begann eines der goilsten Rennen, dass ich je gefahren bin. Web nahm ein Stück Holz zwischen die Zähne und sagte nö, Freunde mit mir nicht. Er überholte in der Anbremszone Stefan außen herum und für Dirk reichte es meiner Meinung nach auch …. So ganz langsam war ich auch nicht unterwegs, da ich David hinter mir wähnte, und musste mich 0,34 sec auf mich konzentrieren. Als ich in der nachfolgenden schnellen Rechts bzw. beim Anbremsen auf die Hairpin nach vorne schaute war Dirk vorne, Web ca. 0,34 cm dahinter, Stefan auf drei und ich auf vier. Wie Dirk am Web wieder vorbeigekommen ist, ist mir nicht so ganz klar. Dirk meinte er hätte beim Rausbeschleunigen die bessere Linie gehabt, seine 24h-Hure dürfte motormässig auch ein bisschen besser als die R6 vom Web bestückt sein. David meinte, dass er mir beim Anbremsen auf die Hairpin fast ins Heck gefahren wäre . In der Nachfolge fuhr Web hinter Dirk Slalom, Stefan war höchsten 0,034 sec dahinter und ich hatte einen Abstand von höchstens 0,068 sec zu Stefan. Auf der nächsten Start-Ziel wurde Web Opfer vom Stefan und er versuchte verzweifelt wieder auf zwei zu kommen, er war deutlich schneller als Stefan kam aber nicht vorbei. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass Dirk den Laden so ein bisschen aufhielt, wobei im Nachhinein betrachtet wir für unsere Verhältnisse so richtig zügig unterwegs waren. In der nächsten Runde wurde auf der Start-Ziel Web das Opfer meines Kilo-Boliden. Beim Anbremsen auf die Hairpin wagte ich einen Blick auf den Lappenzeiter. Da stand doch tatsächlich eine 40.8. War das ein goiles Gefühl, den Jungs hatte ich versprochen ein Essen zu schmeißen, falls ich die 39 schaffen sollte. So Freunde, wenn ihr heute gescheit Essen wollt gebt Gas oder lasst mich vorbei .


Ich fuhr auf die NiemalsNichtEndende-Links wie immer spitz rein und schwuchtelte ein bisschen auf der Bremse und schwupp-die-wupp kam Web außen an mir vorbei, kurz und knapp: Höchststrafe . Ich war so perplex, dass ich mal ca. 20 m verlor, was etwa einer halben Sekunde entsprechen dürfte. Ich versuchte das Loch wieder zu zufahren, was mir in der nächsten halben Runde so leidlich gelang. Beim nächsten Mal in der NiemalsNichtEndenden-Links nahm Web sich Stefan vor. Beim Anbremsen reichte es noch nicht, so dass er in der Kurve so richtig Schwung holte und sich beim Anbremsen auf die 90°-Rechts einen Blockpass setzte und an Stefan vorbei war. War das cool , der Burschi hat Eier. In der nächsten Runde ging schon das Überrunden los, irgendwie gelang es uns an dem ersten Probanden zu viert vorbeizukommen, hoffentlich ist der arme Kerl vor Schreck nicht vom Möppie gefallen (ich habe zumindest nichts dergleichen und auch keine Beschwerden gehört . Beim nächsten Mal NiemalsNichtEndende-Links versuchte Web sein Glück beim Dirk auf die gleiche Art, aber Dirk machte es ihm nicht so einfach. Bei den nun folgenden Überrundungen blieb ich leider öfters hängen und musste versuchen an den Dreien dranzubleiben, konnte aber dem Web seine Überholversuche mehrfach bewundern, ich kann nur sagen Chapeau. Im Nachhinein kann man sein Rennen mit dem Rennen von Rossi in Qatar vergleichen - auf der Geraden hoffnungslos unterlegen versuchte er die Kilo-Geräte in den Kurven aufzumischen.

kurzer Zwischenruf vom Web: Leicht gefrustet ob der gefühlten 500 Mehr-PS von Dirks Geschoss und der Lücke, die sich jedes mal beim zünden des Kilo-Nachbrenners immer wieder auftat, versuchte ich alles um ihn mir irgendwie zurecht zu legen. Mich beschlich ausserdem das Gefühl unser Rennen müsse bald zu Ende sein und ich kam etwas in Zugzwang. Also versuchte ich zwischen Schikane und der letzten Rechts den Abstand so zu legen, dass ich so früh wie nur irgend möglich ans Gas gehen und mit mehr Glück als Verstand vielleicht irgendwie dran bleiben zu können. So war jedenfalls der Plan. Als ich früh wie nie zuvor beherzt das Gas aufzog keilte mein Hinterrad zornig aus und ich sah mich schon auf der Nase liegen. Glücklicherweise beruhigte die Fuhre sich schnell wieder und ich spannte nach der Schrecksekunde das Kabel auf Anschlag. Brachte aber auch nix mehr, denn schon flog Stefan an mir vorbei und ich verglühte fast in seinem Abgasstrahl... Grantig über meinen eigenen Fehler spuckte ich das Stück Holz aus und biss auf ein ganzes Scheit. Das schien zu helfen, denn an der endlosen Linkskurve war ich wieder dran und vollstreckte in gewohnter Weise . Wieder an der letzten Rechts vor Start-Ziel angekommen sah ich einen fetten schwarzen Strich, der nur von mir sein konnte, und in etwa direkt proportional zu der Spur etwas anderer 'Couleur' in meiner Unterwäsche sein musste...


Der Einlauf war Dirk, Web, Stefan, meiner einer und danach David. Meine Rundenzeiten bewegten sich alle in den 41er und tiefen 42ern, die Krönung war latürnich die zweite Runde mit einer 40.8 . Ohne die Backmarker wäre vielleicht eine 39 möglich gewesen, na ja hätte wäre wenn ….
In der letzten Runde bemerkte ich leichte Vibrationen ab ca. 10000 U/min, die ich allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich beachtete.

Anschließend war Vorbereiten auf das 2h-Rennenn angesagt. Auch hier war wieder ein fliegender Start angesagt. Außerdem hatten die Organisatoren aus Angst Dirk und ich würden jeweils einen Longrun absolvieren (ich hab’ nicht geringste Ahnung wie die auf so einen Gedanken kommen konnten ) sich ein schwules Reglement ausgedacht: 5 Pflichtstopps mit 1 min Standzeit, außerdem für jedes Team je nach Rundenzeit ein Händicap. David und Web, sowie Dirk und ich bekamen die meiste Zeit aufgebrummt.
Das Rennen startete, Dirk und Web lieferten sich offensichtlich ein schönes Rennen, obwohl Web nicht wirklich in Schlagdistanz kam. Nach 20 Runden kam Dirk rein, wir wechselten und ich wollte rausfahren. Beim Anfahren zickte die Kupplung schon so eigenartig rum und ab der zweiten Runde fingen unter Last ab ca. 8000 U/min stärkere Vibrationen an . In dem schnellen Linksknick hatte mein Vorderradreifen anscheinend noch keine Temperatur und ich hätte meine Kiste fast im Kiesbett versenkt. Ich wäre nicht der erste von unserer Truppe gewesen, in früheren Jahren durften Dirk und Volker Z. schon die Bekanntschaft mit diesem Sandkasten machen . Auf der Start-Ziel gab ich Handzeichen, dass etwas nicht stimmte und kam nächste Runde rein. Dank der schwulen einminütigen Standzeit beschlossen wir, dass ich auf Dirks 24h-Hure weiterfahren solle. Gesagt getan fuhr ich mit dem Teil raus. Die Sitzposition war heute höher und ich freundete mich mit dem Teil immer mehr an. Ich fuhr zwischen 43er und 45er-Zeiten. Nicht das, was ich mir mit meinem Möppie erhofft hatte, aber durchaus zufrieden mit mir und der Welt. Hoffentlich hat Dirk auf dem Datarecording meine Aktionen vor dem schnellen Linksknick nicht entdeckt. Einmal beim Überrunden und einmal der schiere Übermut, oops. Ansonsten verlief das Rennen nicht wirklich spannend. Ich hatte ne Menge Spaß mit der 24h-Hure, aber wir zwei hatten gegen David und Web keine Chance. David wuchs offensichtlich über sich hinaus und brannte eine 39 irgendwas in den Teer von Albacete, Web war auch nicht viel langsamer. Insgesamt verloren wir eine Runde auf die beiden, dafür dass ich die 24h-Hure noch nicht kannte (obwohl ich meine Haxen heute etwas besser verräumt bekommen habe) war ich ganz zufrieden. Unser Händicap war aber zu groß, bzw. die langsamen Teams haben sich im Rennen so gesteigert, das sowohl David und Web als auch Dirk und ich nicht den Hauch einer Chance hatten das Rennen zu gewinnen. Einerseits Schade, auf der anderen Seite Respekt davor, das die Buben so zugelegt haben!


Nachdem Rennen machte ich den Kupplungsseitendeckel auf, ich hatte den Verdacht, dass sich die Federn von der Antihoppsing gelöst haben könnten. Dem war aber nicht so, ich fuhr noch mal raus, die Vibrationen schienen weg zu sein und ich fuhr in die Box und öffnete die Feierabendhopfenkaltschale. Der Sonnenuntergang war wieder gigantisch, das war ein Abend zum Helden zeugen. Gegen einundzwanzighundert enterten wir die Innenstadt von Albacete und versackten in einer Tapa-Bar. Als wir zurückkamen waren in der Siegener Box noch der eine oder andere aktiv, sodass wir uns dazugesellten und wir ließen den Tag ausklingen. Waren das 3 geile Tage, schade die sind rum. Egal am Sonntag geht’s nach Barcelona. Seit 14 Jahren – damals hatte ich für Michelin einen BMW für eine Reifenpräsentation mit Datarecording ausgerüstet und einige Runden in Catalunya gedreht – träumte ich davon mit dem Moped dort zu kreiseln. Wir hatten noch die eine oder andere Aufgabe vor uns...


Samstag, 03.03.2007 – aus Papa’s Sicht:

Am Samstagmorgen wurden wir ziemlich unmotiviert und grundlos vom Dirk geweckt, sie wollten sich verabschieden. Musste er doch mal kurz zu Hause nach dem Rechten schauen und dann sofort in den Flieger einchecken, da seine Anwesenheit in Qatar gefragt war. Die Debus-Jungs verließen nach und nach mit großem Hallo die spanische Hochebene.
Wir ließen es extrem ruhig angehen und bereiteten zunächst unsere Mopeds für Catalunya vor. Die Probefahrt hatte gestern gezeigt, dass die heftigen Vibrationen anscheinend weg waren, aber insgesamt noch raderregte Schwingungen vorhanden waren. Eine Frequenzanalyse bestätigte diese Theorie und ließ den hinteren Reifen als Ursache vermuten. Ich baute die hintere Felge aus, der Reifen war bis auf 10g richtig ausgewuchtet. Er schien offensichtlich ein bisschen gewandert zu sein und er hatte jetzt einen Höhenschlag . So dann war das auch geklärt, Übersetzung wurde für Catalunya geändert. Ich schnappte mir einen Stuhl und schaute dem Treiben der Nachfolgeveranstaltung zu.
Neben uns hatte sich ein „Irgendwas-Racingteam“ – nennen wir Sie Team Ü-Ei (denn David nannte das gewichtige Oberhaupt der Rennfamilie beim ersten Anblick spontan „Überraschungs-Ei mit Beinen“ – seine Homebase aufgebaut. Freunde, so ein Drama habe ich im Leben noch nicht beobachten dürfen. Der spanischen Sprache nicht mächtig stellte sich das Team uns folgendermaßen dar: Perfekt eingekleidet mit Team-T-Shirts, brachten die redlichen Aufzünder jeweils mindestens 150 kg aufwärts auf die Waage, d.h. pro Rüstung mussten mindestens 2 Rinder ihr Leben lassen. Die Reifenwärmer wurden knapp 10 min vor dem Ausritt von den Rädern genommen , danach stand der vollschlanke spanische Aufzünder mit einem leeren Blick ca. 10 min neben seiner R6, die Augen strahlten die pure Angst aus. Seine Frau, sein ca. 8 Jahre alter Sohn und offensichtlich sein Vater (Ü-Ei mit Beinen), alle in der gleichen bzw. zukünftig gleichen Gewichtsklasse rannten um ihn herum und fotografierten ihn aus allen Lagen. Die Reifen wurden schon seit längerem benutzt - irgendwelche Michelin-Slicks älteren Produktionsdatums – waren auf eine Breite von mindestens 3 cm rechts wie links nicht angefahren .


Dann war es soweit, der Racer bestieg seine R6 … Wir stellten uns an die Boxenmauer und schauten uns das Treiben an. Nach gefühlten 5 min kam er das erste Mal vorbei. Er bremste bei geschätzten 400 m, gab Gas, bremste wieder und legte dann mit einer geschätzten Schräglage von 10,34° in die Rechts Ende Start-Ziel um. Wir belästigten unsere Stoppuhr … nach 2:55 min kam er doch schon wieder vorbei. Inzwischen dürften die Reifen warm gewesen sein, und er bremste erst bei 397 m, gab noch dreimal Gas bzw. bremste noch dreimal. Diesmal fuhr er mit einer Schräglage von 11,34° in die Rechts. Wir wollten wieder die Zeit nehmen, nach 4 min hatten wir ihn schon aufgegeben, als er in die Boxengasse fix und fertich reingerollt kam. Der Stress war vorerst aus seinem Gesicht gewichen …..
Sein Vater hatte offensichtlich in der schnelleren Gruppe eingecheckt und machte erst 7,5 min vor seinem Turn die Reifenwärmer runter Er verbesserte sich stetig von 2:40 auf 2:39 und dann sogar auf 2:35.
Diese Dramen wiederholten sich nun stündlich. Am Nachmittag – wir hatten bereits nach erfolgreicher Hängerladeaktion die erste Hopfenkaltschale in der Hand – war auf einmal der schwergewichtige spanische Papa überfällig …. Wir hatten die schlimmsten Befürchtungen …. Nach ca. 10 min kam er mit den allseits bekannten Weißwandreifen, allerdings ohne einen Kratzer an seinem Plastik in die Boxengasse entlang gerollt und berichtete cool von seiner Heldentat. Im Gegensatz zu seinem Sohnemann nahm er die Geschichte wirklich gelassen . Nach dem väterlichen Missgeschick war der Mut des Sohnemannes offensichtlich gekühlt und er beendete sein Tagwerk für heute .

Anmerkung vom Web-Schlumpf: Mein persönlicher Held des Tages war eine schätzungsweise achtjährige Nachwuchszünderin Namen Ana, die die meisten ihrer spanischen Landsleute doch ziemlich schlecht aussehen liess . Alleine schon die perfekte Körperhaltung auf seinem Midibike hätte sich der eine oder andere, und besonders das Team Ü-Ei, bei Gelegenheit mal abschauen können. Ganz zu schweigen von ihrem durchaus sehenswerten Fahrstil: die Start-Ziel kam sie tief geduckt und extrem zusammengefaltet entlang, ließ das Gas bis approximativ 50m vor der Kurve voll stehen und feuerte ihr kleines Geschoss total cool in tiefste Schräglagen. Hin und wieder musste sich einer der Möchtegernaufzünder (wohlgemerkt mit 600ern bis 1000ern unterwegs) dabei sogar gefallen lassen im Kurveneingang aussen herum von unserer kleinen Heldin in Atome gespalten zu werden . In der Endlos-Links ist sie vermutlich Kreise um die anderen Jungs gefahren... Jedenfalls finde ich die Kleine hat verdient, sie hier mit ein paar Worten und einem Foto zu würdigen.


Wir genossen wieder den supergoilen Sonnenuntergang, smsten mit den Jungs auf der Autobahn und tranken den einen oder anderen Hopfentee. Sie hatten eigentlich vor irgendwo in einem F1-Hotel einzuchecken, die Fahrt verlief aber offensichtlich so reibungslos, dass sie bis Karlsruhe durchfuhren.

Gegen einundzwanzighundertvierunddreissig schlugen wir im El Callejon auf und bekamen ein fürstliches Überraschungsmahl serviert. Ich liebe dieses Restaurant, allein aus diesem Grund müssen wir wieder nach Albacete. Der zweite Grund ist latürnich die noch offene 39er Runde .


Sonntag, 04.03.2007 – aus Papa’s Sicht:

Junior und meiner einer hatten gestern hinsichtlich der nächtlichen Temperatur in unserem Schlumpfenmobil eine kleinere Diskussion. Ich stellte den Antrag, dass wir doch bitte die durchschnittliche Temperatur von 97° auf höchstens 50° senken könnten, sprich ich wagte es in der Nacht die Standheizung auszuschalten . Ergebnis: Ich wachte diesen Morgen fast mit meiner üblichen senilen Bettflucht gegen achthundert auf und fühlte mich topfit. Nun überfiel mich latürnich die Langeweile, da meine Teamkollegen sich noch in einem komatösen Tiefschlaf befanden. Ich erhob mich und beschloss joggen zu gehen. Gesagt getan, ich lief los, allerdings noch über die zurückzulegende Entfernung etwas unschlüssig. Ich joggte gemütlich entlang der Strecke, dachte über die eine oder andere Situation bzw. Positionskämpfe der letzten Tage nach, als ich mich der NiemalsNichtEndenden-Links näherte. Und da sah ich sie, die neue Spur. Niemals nicht habe ich in einem Kiesbett eine derart tiefe, breite und derart kurze Spur begutachten dürfen. Der finale Krater fehlte allerdings und vor allem die Spur endete einfach im Nichts. Ich sinnierte und kam zu dem Ergebnis, dass diese Spur nur von unserem Ü-Ei stammen konnte. Der Spurlänge nach war er höchstwahrscheinlich mit einer Geschwindigkeit von nicht mehr als 34,5 km/h vom Pfad der Tugend abgekommen und hat sein Möppi im Kies – allerdings ohne umzufallen – versenkt. Anscheinend hat er dann den Rückwärtsgang eingelegt und dürfte mit Hilfe des einen oder anderen Streckenposten die Strecke wieder geentert haben …. In der Nachfolge beschloss ich noch eine weitere Runde zu drehen, diesen Einschlag wollte ich mir noch einmal genauer ansehen .
Nach zwei Runden hatte ich dann doch genug, die Zeit hätte auch für eine dritte Runde nicht mehr gereicht, die spanischen Aufzünder scharrten bereits mit ihren Hufen. David empfing mich bereits mit leichtem Erstaunen hinsichtlich meines sportlichen Ehrgeizes.
Beim Frühstück berichtete ich von meiner Entdeckung, das Grinsen meiner Teamkollegen war nicht zu übersehen.
Im Laufe des Vormittages packten wir die letzten Kleinigkeiten, schüttelten mehrfach den Kopf hinsichtlich des Teams Ü-Ei und waren irgendwann bereit zur Überführungsetappe nach Barcelona. Die Abnahme der Box verlief fast problemlos, der Spanolier zwang mich zwei bis fast auf das Gewebe abgefahrene hintere Reifen, die – versprochen – nicht von uns waren, mitzunehmen. Was ein Glück hat er, den Müllcontainer nicht geöffnet, hehe. David hatte dort kurz vorher unsere Altreifen verstaut .
Irgendjemand hat dann die Uhr vorgedreht und plötzlich waren wir in Barcelona. Wir entledigten uns im Fahrerlager unseres Anhängers, Junior hatte Hunger und wurde etwas grantig. In einer derartig brenzligen Situation hilft erfahrungsgemäß nur noch ein Blitzbesuch beim McDoof ….
Zurück im Fahrerlager begaben wir uns zur Anmeldung und … eine Schlange von gefühlten 100 m tatsächlich wahrscheinlich 15 bis 20 m – allerdings 3 bis 4-reihig – stand in Box 1. Und am Anfang der Schlange - getrennt durch einen Tresen – versuchte Micky redlich das Chaos zu bewältigen. Ach ja, der Veranstalter hieß Bikersdays, man könnte ihn auch Chaosdays nennen. Irgendwann war es soweit und wir waren dran. Nach Entrichtung von 325 Teuronen bekamen wir den Schlüssel für Box 13. Frohen Mutes begaben wir uns zu unseren neuen Homebase, öffneten die Tür und ….. sahen, dass sich approximativ bereits 15 Aufzünder in der Box breit gemacht hatten und unter Androhung von Gewalt uns zu verstehen gaben, dass sie unsere Homebase nicht räumen würden .
Lange Rede kurzer Sinn, ab zum Empfang, wo wir auf die Zuweisung einer neuen Box beharrten … Irgendwann ließ sich der Kappo von Bikersdays – seinen Namen habe ich vergessen, er ist es auch nicht wert sich zu merken – herab, schwang sich auf seinen Motorroller und suchte nach einer Box. Box 28 war leer und er wies uns die Box zu. Er hätte keinen Schlüssel, aber das würde er klären ….
Nun gut, wir bezogen die uns zugewiesene Box und richteten uns häuslich ein. Mehrfache Interventionen hinsichtlich des Schlüssels verliefen wegen offensichtlichem Desinteresse im Sande. Nun gut, wir sicherten das Garagentor von innen mit Gurten, verschraubten auf der linken Seite die Absperrgitter und fuhren unser Schlumpfenmobil so knapp vor die Tür, dass ein Eindringen fast unmöglich war. Wir öffneten noch die eine oder andere Hopfenkaltschale und freuten uns auf die für uns unbekannte Strecke.


Montag, 05.03.2007:

Im Gegensatz zu Albacete öffnete die Strecke hier in Barcelona bereits um Nullneunhundert. Damit war die Fahrerbesprechung zu früher Stunde unvermeidlich. Wir begaben uns also um 0830h zur Box 1, ich griff dort ziemlich ferngesteuert einen Kaffee ab, und wir warteten auf den Veranstalter dessen Namen wir vergessen haben. Der kreuzte dann doch irgendwann mit seinem Roller auf und hielt die Besprechung durchaus souverän in mehreren Sprachen ab. Nachdem alles gesagt war, sprachen Papa und David den Kappo direkt nochmal wegen unseres Boxenschlüssels an – den er uns ja für diesen Morgen versprochen hatte. Unser Anliegen tangierte ihn aber offensichtlich noch nicht mal periphär und er wimmelte meine Kollegen mit der halbherzigen Aussage ab, er würde sich da später drum kümmern...

Also wackelten wir noch immer schlüssellos zurück in unsere Box um uns für unseren ersten Turn vorzubereiten. Alle waren etwas aufgeregt, zum einen aus Vorfreude und Spannung ob der unbekannten Strecke, zum anderen weil wir laut Zeitplan in die Gruppe 'Racer' gesteckt wurden – was laut Ausschreibung auf jede Menge furchtbar schnelle Lizenzfahrer schliessen liess. Denn bei der Anmeldung hatte man die Option zwischen 'very fast' und 'Racer', und wir vermuteten die Veranstaltung auf einem recht hohen Niveau.

Endlich war es soweit, ich rollte aus der Boxengasse und enterte das ehrwürdige katalanische Asphaltband. Wie immer auf einer neuen Strecke liess ich erstmal alles auf mich wirken und war überrascht wie stark die Höhenunterschiede der einzelnen Streckenabschnitte sind – im TV kommt das überhaupt nicht rüber. Dann kam zum ersten Mal die approximativ 1 km lange Start-Ziel-Gerade und es würde sich zeigen ob meine Mugello-Übersetzung, die ich auf blöd einfach mal montiert hatte, denn auch passt. Aber es zeigte sich schnell: sie passt nicht! Und dabei war ich ja noch in Einroll-Besichtigungs-Schneckentempo aus der letzten Rechts gekommen. Den Rest des Turns strahlten die Schaltblitz-Leuchtdioden auf Start/Ziel quasi permanent um die Wette, war aber erstmal egal – ging es mir ja nur darum die Strecke zu lernen. Der erste Eindruck der Streckenführung war: grundsätzlich schön, interessant, sehr flüssig und recht anspruchsvoll.
Zurück in der Box waren meine ersten Worte "Ich muss unbedingt länger übersetzen!". Nach dem obligatorischen Austausch der ersten Eindrücke machte ich mich also, ein grösseres Ritzel zu montieren – vorne 1 Zahn mehr sollte es richten.
Nach getaner Arbeit und einem schönen Kaffee war ich bereit die Strecke erneut zu entern und wagte einen Blick aus der Box um die Lage zu checken. Nach den Besichtigungs-Turns in Gruppen, war für den Rest des Events freies Fahren geplant. Doch bei gut 150 Teilnehmern und maximal 46 Fahrern auf der Strecke, war das Chaos irgendwie vorprogrammiert. Mir entglitten vermutlich die Gesichtszüge, als ich die wartende Menge am Vorstart erblickte und unverzüglich von Mugello-Flashbacks heimgesucht wurde. Ich stand vor der Wahl mich für eine halbe Stunde in die wartende Menge zu stellen, oder erst mal noch einen Kaffee zu trinken. Nach ziemlich genau 0,34 sec Bedenkzeit entschied ich mich für ein zweites Frühstück und setzte mich ans Boxentor um das Chaos zu beobachten...


Irgendwann wurde dann aber selbst mir die Zeit zu lang und ich wurde doch etwas unruhig, als die Nachricht ins Haus flatterte nach Mittag für den Rest der Veranstaltung würde wieder in den Gruppenmodus gewechselt um für alle Fahrer ausreichend Zeit auf der Strecke garantieren zu können. Das klang doch mal vernünftig und wir beschlossen uns die Warterei erst gar nicht mehr anzutun und bis Mittags zu warten.

Papa berührte das im Moment recht wenig. Denn im Besichtigungsturn kamen wieder die schon in Albacete verspürten Vibrationen auf und so machte er sich daran seine Kupplung auszubauen und auf mögliche Hinweise zu prüfen. Junior half ihm, wie er das immer für uns macht – und das muss an dieser Stelle mal erwähnt werden, ganz selbstverständlich und ohne Rücksicht auf die Zeit die er dadurch auf der Strecke verlieren könnte völlig selbstlos ... solche Aufzündfreunde kann man sich nur wünschen!

Als wir endlich wieder mit fahren dran waren, hatte Papa noch die eine oder andere Schraube zu drehen und schaffte es leider nicht mehr rechtzeitig den Turn noch mit zu nehmen. David und ich enterten gemeinsam die Strecke, freuten uns des Lebens und wunderten uns alsbald über einige verhältnismässig langsame Zeitgenossen – befanden wir uns doch in einer der beiden 'Racer'-Gruppen. Je länger wird unsere Runden drehten wurde uns allmählich klar, dass die Gruppen nur wild zusammen gewürfelt wurden, was ja wiederum ins bisherige Bild der Veranstaltung passte.
Bei der nächsten Ausfahrt war auch Papa samt guter Hoffnung wieder dabei und fühlte erstmal vorsichtig ob sich die Vibrationen wohl gelegt hätten. David und ich hatten uns inzwischen schon einigermassen mit der Strecke angefreundet und suchten unseren Weg durch den Verkehr. Auch Junior, an dem wir irgendwann vorbei kamen, hatte sichtlich Spaß an der Strecke und auf seinem neuen Gerät. Zum Ende des Turns liefen wir auf Papa auf, der ja noch die Strecke lernen musste und folglich ein paar Sekunden langsamer unterwegs war. Da er überhaupt noch auf der Strecke war, vermutete ich die Vibrationen wären beseitigt und freute mich für ihn. Viel zu früh wurden wir abgewunken und ich verliess die Piste direkt hinter Papa. Der stieg mit zufriedenem Gesicht vom Moped und meinte es wäre jetzt deutlich besser. Doch dann kams: als er seinen Eisenhaufen zurück in die Box schob, meinte David "Erich, Deine Kiste spuckt Wasser!". Schnell wurde klar, dass sein Motor verglüht war und damit nicht mehr an weiterfahren zu denken war. Papa's Kopf und seine Mundwinkel folgten der Schwerkraft und er war gut nachvollziehbar deprimiert, hatte er doch seit 14 Jahren davon geträumt mit dem Moped auf dieser Strecken aufzünden zu dürfen.... Da es ohnehin schon vier Uhr durch war, machte er sich erstmal ein Bier auf und überraschend schnell fand er sich mit seinem Schicksal ab – froh darüber, immerhin 15 Runden oder so hier gefahren zu sein.

Dann kam der nächste Hammer. Ein Offizieller des Streckenbetreibers enterte in unsere Box und gab uns zu verstehen, wir würden uns unerlaubterweise in Haus-Nr. 28 aufhalten. Er habe ausserdem bereits mit dem Veranstalter gesprochen und der meinte wir hätten uns die Box wohl einfach genommen. Er machte uns unmissverständlich klar, dass wir hier nicht bleiben könnten, da die Boxen bereits für bald eintreffende Auto-Teams vorbereitet würden. Während unser Hals immer dicker wurde, mussten wir die Anweisungen erst mal so hinnehmen, erklärten dem guten Mann aber nochmal dass der Veranstalter uns die Nr. 28 zugewiesen hatte. Er sagte darauf hin nur wir müssen das mit dem Veranstalter klären.... Papa sagte sofort "Ich geh da jetzt nicht hin, sonst muss ich diesen !*@$§*?# erschlagen!".

 

Da ich, trotz berechtigter Wut im Bauch, so wie meistens relativ gelassen blieb wanderte ich zum Vorstart um unseren neuen besten Freund zur Rede zu stellen. In seiner inzwischen gewohnt charmanten Art meinte er nur rotzfrech wir wären ja nicht wie vereinbart wegen den Boxen am Morgen zu ihm gekommen, sonst hätte er das natürlich gleich regeln können. Nicht mehr ganz so ruhig fragte ich ihn ob er mich für blöd hält, denn zwei meiner Kollegen waren definitiv nach der Fahrerbesprechung bei ihm! Jaa, er könne da jetzt nix machen und ich solle doch zum Welcome gehen – er hat jetz keine Zeit (und wie immer offensichtlich keine Lust sich um seine Kunden zu kümmern). Ich drehte mich sakramentierend um, stapfte zum Empfang und machte mich aufs schlimmste gefasst.
Dort angekommen erklärte ich Micky unser Problem. Im Gegensatz zu ihrem Chef weiss die Süsse offensichtlich, dass man seine Kunden nicht nur abkassiert sondern sich auch um sie kümmert. Sie schnappte sich ihr Walkie-Talkie und diskutierte erstmal mit einem ihrer Kollegen, dass sich ihre Laune dabei nicht unbedingt verbesserte merkte ich auch obwohl ich kein Wort französisch verstehe Kurzum, sie machte offenbar jemandem gehörig Feuer unterm Hintern und bemühte sich sichtlich darum, uns eine neue Box zu besorgen. Eine viertel Stunde später hatte ich Boxenschlüssel Nummero 23 in der Hand, war froh dass wir überhaupt wieder eine Box hatten auch wenn wir umziehen mussten, und bedankte mich freundlich bei Micky...
Wieder bei meinen Freunden angekommen zeigte ich stolz den Boxenschlüssel, die waren zwar immer noch nicht begeistert dass wir umziehen mussten, freuten sich aber – so glaube ich zumindest – ebenfalls dass wir überhaupt weiterhin eine Bleibe für unseres Mopeds und das ganze Gerümpel hatten.

Umzug hin oder her, jetzt stand erstmal unser letzter Turn des Tages an. Schliesslich waren wir ja hier um Spaß zu haben! Also liessen wir es, für unsere Verhältnisse, nochmal fliegen auf dieser wunderbaren Strecke und hatten am Ende immerhin ein paar 2:01er und 2:02er Zeiten auf der Uhr stehen.
Papa hatte in der Zwischenzeit schonmal etwas aufgeräumt und wir begannen sofort unser gesamtes Material nach fünf Boxen weiter vorne zu bewegen – sonst hätten wir vermutlich keine Lust mehr dazu gehabt.
Nach einem schönen Feierabendbier und einer heissen Dusche begaben wir uns in die Stadt und fanden ein nettes Restaurant. Der Ober empfahl uns als Vorspeise ganz frische Kidneybohnen, eine regionale Spezialität. Den zu erwartenden Nachwirkungen durchaus bewusst, verputzte ich mit einem Mordshunger trotzdem die riesige Portion und hoffte insgeheim schon auf eine gute Belüftung im Schlumpfomobil während der Nacht
Zum Hauptgang gab es reichlich blutiges Steak und lecker Beilagen. Der Rotwein war ebenfalls schmackhaft und schwer, genau wie sehr bald unsere Augen. Also machten wir uns wieder auf ins Lager der Fahrer, schmiedeten Pläne und Ziele für den kommenden Tag, und legten uns ab. Ich öffnet in weiser Voraussicht noch geschwind das Seitenfenster neben mir und entschlummerte ins Land der Träume....



Dienstag, 06.03.2007:

Der Tag begann wie so oft mit einer Tasse Kaffee und der baldigen Entscheidung erst beim zweiten Turn ins Geschehen einzugreifen... also erst mal gaaanz langsam loslegen, schneller werden stand ja heute eh noch auf dem Programm. Die Tagesplanung sah vor am Vormittag noch die alten Reifen aufzureiben um dann nach der Mittagspause mit frischem Material auf Zeitenjagd zu gehen. Dafür hatte ich mir extra noch einen nagelneuen hinteren Brückensteinslick aufgehoben, den ich hier zum ersten Mal testen würde. Davids Plan sah sehr ähnlich aus und so beschlossen wir wieder unsere Turns gemeinsam zu fahren. Junior wollte einfach wieder möglichst viele Runden abspulen, sich stetig verbessern und natürlich jede Menge Spaß auf seinem neuen Zündgerät haben. Papa, gestern ja leider zum vorzeitigen Ruhestand gezwungen, plante im Lauf des Tages mal ein paar Fotos von uns zu schiessen und sich ansonsten Ruhe zu gönnen damit wir noch am selben Abend die Heimreise würden antreten können.

Die Vormittags-Turns verliefen ohne besondere Vorkommnisse, nur die Strecke kam uns etwas belebter vor und es war nicht eine einzige freie Runde drin. Also nutzten wir die Gelegenheit zum üben diverser Überhol- und Ausbremsmanöver, was ja durchaus auch Freude machen kann.
In der Mittagspause machte ich mich daran, den inzwischen ausgedienten Hinterreifen zu entsorgen und montierte den jungfräulichen Brückenstein. Dieser sollte mich bei dem simplen Ziel, unter 2 Minuten pro Runde zu schaffen, tatkräftig unterstützen. Nach getaner Arbeit gönnte ich mir erstmal ein kleines Nickerchen – irgendwie waren die inzwischen viereinhalb Tage Rennstrecke doch in meinen untrainierten Knochen zu spüren.
Dann gings endlich los! Irgendwie schien der Zeitpunkt nach Mittag nicht die schlechteste Wahl gewesen zu sein. Die Strecke schien mir zwar immer noch voll, aber nicht gar so überfüllt wie zuvor. Offenbar musste sich der eine oder andere Zünder noch von der Fressnarkose erholen Nach der Aufwärmrunde und einer schon recht zügigen weiteren Umrundung wollte ich es wissen. Ich kam ganz passabel aus der letzten Rechts auf Start/Ziel, machte mich klein, lud alle Gänge durch und wartete auf das Ende dieser verdammt langen Geraden. Bei ziemlich genau zweihundert Metern warf ich den Anker und bog, wie schon approximativ 50 Runden vorher, irgendwie zu langsam in die erste Rechtskurve ein. Mist, da könnte man es noch viel besser reinlaufen lassen. Dann links hoch und gleich wieder in diese endlose Rechts, die immer weiter aufmacht und man nach einem Schaltvorgang im vierten Vollgas auf die nächste, relativ enge Rechts zufliegt. Ausgerechnet jetzt musste ich auf einen langsameren auflaufen! Aber der Abstand passte grade so, dass ich mich beim aufziehen weit raustragen lassen konnte und ihn vor der 2.Gang-Bergablinks ausbremsen konnte. Weiter bergab durch den schnellen Linksknick auf die nächste Links, diesmal wieder bergauf, zu. Dann heissts sofort wieder rechts umlegen und dabei kippt die Drehzahl schlagartig nach oben – diese Passage macht so dermassen viel Spaß, das muss man einfach erlebt haben Weiter gehts noch immer bergauf zur nächsten Rechts, die geht über die Kuppe und ist komplett blind. Ausgerechnet hier musste sich wieder ein langsamerer Zeitgenosse tummeln, verdammt. Doch wieder hatte ich mehr Glück als Verstand. Denn wieder passte der Abstand grade so und ich konnte im Vertrauen schon die richtige Linie zu treffen früh ans Gas, so dass ich mich am Ausgang knapp aussen daneben setzen und das Gas für die nun folgendende Gegengerade stehen lassen konnte. Brachte im Moment zwar nun nicht so viel, da der Kontrahent mit seiner verfluchten 1000er nach vorne wegzog – doch auf der Bremse schwuchtelte er etwas rum und ich konnte vollstrecken und entspannt in die enge Links einbiegen. Beim Blick bergauf zur folgenden Rechts erspähte ich den nächsten Gegner und hoffte auf ähnlich gutes Timing wie beiden letzten beiden. Ausgang der Rechts war ich schon fast hinter ihm, versuchte so zügig wie ich mich nur traute unter heftigem Adrenalinausstoss durch die folgende Bergabrechts zu fliegen und setzte mich vor der finalen Rechts daneben und ging innen durch. Obwohl das nicht grade die Ideallinie ist kam ich wieder ganz passabel aus der Kurve, machte mich klein, lud die Gänge durch.....und hatte eine hohe 1:59 auf dem Laptimer. Ich freute mich so, dass ich mich in den ersten Kurven gar nimmer konzentrieren konnte und erstmal gleich wieder auf eine 2:01 abfiel. Rhythmus und Fluss wurden aber wieder besser und nach ein paar weiteren 1:59ern stand irgendwann eine 1:58,70 auf der Uhr... War das ein geiler Turn auf dieser hammergeilen Piste! Das Grinsen muss mir wie eingemeisselt im Gesicht gestanden haben. Völlig geschafft und sehr zufrieden stellte ich meine treue R6 in der Box ab und gönnte mir ein schönes Käffchen.



David war leider nicht ganz so glücklich, da er wohl das eine oder andere Mal etwas mehr Pech hatte und im Verkehr aufgehalten wurde – im Endeffekt aber nur unwesentlich langsamer war...

Irgendwann fiel uns auf, dass Junior abhanden gekommen war. Da seine Suzi in der Box stand gab es zwar keinen Grund zur Sorge, doch er war schon seit einiger Zeit nicht mehr gesichtet worden. Als ich kurz etwas aus dem Schlumpfomobil holen wollte, wurde ich fündig: Junior schnarchte, noch vollständig ins Schwabenleder gehüllt, vor sich hin – die jungen Leute halten aber auch nix mehr aus heutzutage Er muss da eine knappe Stunde so gelegen haben...

Im Anschluss passierte nicht mehr viel Aufregendes. Wir hatten noch zwei Turns zu fahren, aber keiner konnte sich zeitentechnisch mehr steigern. Ich hatte trotzdem bis zur letzten Minute noch meinen Spass und genoss diese tolle Strecke. Junior ging es wohl ähnlich, denn auch er hatte diesen erschöpften und zufriedenen Ausdruck im Gesicht. Nur David hatte irgendwann genug davon, niemals eine freie Runde zu ergattern und strich frühzeitig und etwas frustriert die Segel.

Dann ging plötzlich alles ganz schnell und irgendwie hektisch. Noch nicht mal aus den Lederklamotten heraus waren schon zwei Mopeds aufm Hänger und ratz fatz war alles verladen und im Schlumpfomobil verstaut. Nach einer kurzen Brotzeit und einer schnellen Dusche gings direkt los auf die Autobahn und mit einem Mal war unsere spanische Woche vorbei...



Heimreise:

Die erste Schicht übernahm natürlich Papa, ich sass völlig fertig und schon halb schlafend daneben. Junior und David legten sich direkt ab und waren in nullkommanix weg. Irgendwo in Südfrankreich hatte Erich wohl keine Lust und Energie mehr zu fahren und beantragte einen Schichtwechsel. David übernahm das Steuer und ich seinen Schlafplatz im Heck. Ich schlief natürlich sofort ein.......und wachte erst in good old Germany, nach gut sieben Stunden, wieder auf. Danach fuhr Junior, der auch bis hier gepennt hatte, weiter und gab das Ruder bis nach Hause nicht mehr aus der Hand. Somit war ich die kompletten 1400km ausschliesslich Beifahrer


Schlusswort:

Wir hatten eine unvergessliche Woche, jede Menge Spaß auf und neben der Strecke – mit der coolsten aller Aufzündtruppen überhaupt in Albacete, und durften in Barcelona auf einer der wohl geilsten Strecken die es gibt unsere Runden drehen.
Nächstes Jahr machen wir das wieder, ganz sicher!


 

Termine 2010

  • 29.03. - 01.04. Alcarras
  • 07.05. - 09.05. Most
  • 11.06. - 13.06. Brno
  • 25.06. - 27.06. Pannonia
  • 16.07. - 18.07. Slovakia
  • 21.08. - 22.08. Lausitz
  • 17.09. - 19.09. Most

prospeed racer cup 2010

SPORTBIKES (nach 11 von 11 Rennen)
1. Carsten Thiemann
204
2. Tom Gasteiger
167
3. Jens Krause
126
4. David Pfitzner
106
5. Martin Jochum
48
6. Peter Greppmair
41
7. Barbara Pulfer 39
8. Tom Wagenhofer 30