"Kalorien - das sind die kleinen gemeinen Tierchen,
die über den Winter die Lederkombi enger nähen!"
Jürgen Kretzer

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Schlumpfiges Saisonfinale in Brno
Geschrieben von: Web-Schlumpf   
Samstag, den 13. Oktober 2007 um 21:36 Uhr
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Schlumpfiges Saisonfinale in Brno
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Der Donnerstag war wie alle Tage an denen es zur Rennstrecke geht. Das allseits ungeliebte Verladen der Mopeds und allem was so dazu gehört in Transporter und auf Anhänger. Die lange Fahrt zur Strecke mit obligatorischem Zwischenstopp im Schnellgerichtrestaurant. Da es nach Brünn ging, zum prospeed Saisonfinale, hätten wir den Weg auch mit verbundenen Augen finden können - trotzdem laberte die Navi-Tante ständig ungefragt dazwischen um uns ihre ach so gute Streckenkenntnis zu beweisen.

Im Fahrerlager angekommen begrüßten wir unsere inzwischen zahlreichen Freunde und Bekannte, und machten uns ans noch unbeliebtere Abladen des Hängers usw....

Der Freitag hielt direkt ein recht straffes Programm bereit. Kurz nach Mittag Qualifikationstraining und am Spätnachmittag schon die ersten Rennen. Also waren nach kurzer Einrollphase gleich vorzeigbare Zeiten gefragt, um nicht von allzu weit hinten ins Rennen gehen zu müssen.

Papa trieb diese Situation mal wieder Schweißperlen auf die Stirn, weil er sich würde anstrengen müssen um unter die ersten 44 zu kommen. Aber das kommt halt davon wenn man meint in der völlig überfüllten 1000er-Klasse fahren zu müssen... ;-)

Mich persönlich beschäftigte dagegen vielmehr die Tatsache, dass Carsten, David, Jens und Lutz hier Anfang Juni mit 2:15er und 16er Rundenzeiten unterwegs waren. Meine schnellste Zeit aus 2005, es war eine mittlere 2.18, sah dagegen doch ziemlich lau aus. Um halbwegs vorne mitfahren zu können würde ich also noch die eine oder andere Sekunde finden müssen. Da die Saison bisher aber durchaus gut für mich verlaufen war, vertraute ich einfach darauf dass auch hier die Zeiten schon kommen würden.

Spätestens als zum Ende des freien Trainings eine 17er auf dem Rundenzeiter stand war ich guten Mutes. Mit etwas Glück würde es vielleicht schon für die zweite Startreihe reichen, und im Rennen wird's ja traditionell noch immer etwas schneller.

Qualifying: Gleich in meiner ersten fliegenden Runde ließ ich die gute alte R6 für meine Verhältnisse recht geschmeidig um die Strecke laufen. Und da ich verkehrstechnisch Glück hatte, konnte ich direkt ein paar fast freie Runden aneinander hängen. Leider hatte wohl jemand den Laptimer-Sender von der Boxenmauer genommen, jedenfalls zeigte das Display alles außer aktuelle Zeiten an. Ich fühlte mich aber sauschnell und so brach ich meine Zeitenjagd bald ab als ich auf einen riesigen Pulk auflief...
Zurück in der Box erzählte David, dass er ebenfalls kein Zeitensignal hatte, er sich aber sauschnell gefühlt hatte. Eine gefühlte 14er Runde war da mit Sicherheit dabei ;-)

Ein Blick auf das offizielle Ergebnis offenbarte zwar, dass es leider tatsächlich nur eine gefühlte Vierzehner war, aber die hohe 16er reichte immerhin für Startplatz 3. Erste Reihe, Mann! Am liebsten hätte ich mir zur Feier des Tages gleich ein Feierabendbier aufgemacht, aber halt! Da war ja noch das erste Rennen über 7 Runden zu fahren...

David war noch ein paar Zehntel schneller und durfte sich auf den zweiten Startplatz stellen. Carsten stand auf vier, Lutz auf sechs und Jens auf acht. Für Junior lief es leider alles andere als gut, seine Gixxe schoss und spuckte Feuer dass es eine Pracht war und wollte auch nicht über 12000 drehen. So musste er sich, grade noch innerhalb der 115%, ganz hinten in der Startaufstellung platzieren.

Unsere Boxennachbarn AndiGixxer und Nofearchris standen auf den Plätzen 22 respektive 12. Ansgar, der sich die Box mit den beiden und auch Jörg_7 und Dr.Kies teilte, hatte sich die Pole gesichert.

Papa-Schlumpf, der mit sich und seinem Fahrwerk haderte, kämpfte sich auf Startposition 39 und hatte somit fürs Rennen eine große Aufgabe vor sich... ;-)


Das 7-Runden-Rennen der Kilotreiber stand als erstes auf dem Stundenplan. Papa bereitete seine alten Muskeln wie üblich mit ein paar Dehnübungen auf die bevorstehenden Heldentaten vor.
Der Start verlief gut und die erste Runde noch besser. Er kam nach dem ersten Umlauf als 29. über die Linie, hatte also schnell mal zehn Plätze gut gemacht. Zur Rennmitte kämpfte er sich noch bis 25 vor und balgte sich rundenlang mit Thomas, einem sympathischen Franken. Am Ende überquerte Papa-Schlumpf als 27. die Zielflagge und kam mit einem breiten Grinsen in die Boxengasse. Offenbar hatte er Spaß gehabt :-)

Während die 750er und Zweitöpfe um die Wette fuhren, stimmten wir Kindermopedfahrer (wie Papa uns 600er Helden ;-) immer nennt) uns auf das bevorstehende Gemetzel ein. Nach den üblichen blöden Sprüchen und gegenseitigen "viel Glück"-Wünschen machten wir uns auf in die Besichtigungsrunde um unsere Startplätze einzunehmen.
Wow, erste Startreihe. Ein irgendwie schaurig schönes Gefühl da vorne. Vor mir freie Sicht auf die Gerade. Hinter mir ein ganzes Rudel wilder Barbaren, bereit für die Schlacht! Da werden Überlebensinstinkte wach... ;-)

Nach gesitteter Aufwärmrunde nehmen alle Aufstellung, die Aufregung weicht langsam der Konzentration, die Startampel setzt sich in Betrieb, Motoren heulen auf, und los geht's - Blitzkrieg! Mein Start ist wie immer durchwachsen, rechts fliegt Jens vorbei wie aus der Kanone geschossen, links zieht Lutz einen Kondensstreifen hinter sich her. Nach der ersten Runde liege ich auf Platz 6 und bin direkt hinter Lutz, meinem direkten Gegner in der Jahreswertung. Natürlich ist es völlig egal ob ich nun sechster oder siebter in der Gesamtwertung werde, aber der Motivation kann ein klares Ziel auch nicht schaden. Die Mission war also unserem Lutzi dieses Wochenende mindestens 4 Punkte abzunehmen. In der Rechts zur Senke runter war es dann soweit, ich bremste einen Tick später und konnte vorbei gehen. Die erwartete Gegenwehr blieb erst mal aus.
Im Anschluss schloss ich schnell auf David auf, der wiederum an Jens dran hing. Für die nächsten beiden Runden flogen wir als Dreierpulk um den Kurs. David machte den Eindruck als könnte er einen etwas schnelleren Rythmus fahren, um an Jens vorbei zu gehen reichte es aber noch nicht ganz. Am Ende der Gegengeraden hinterm Fahrerlager erwischte David die Links nicht optimal, ich fackelte nicht lange und setzte mich rechts neben ihn um in der folgenden Rechts durchschlüpfen zu können. Der Plan ging auf, erst mal. Durch die etwas engere Linie erwischte ich den Kurvenausgang wiederum nicht optimal und David, der Lump, konnte sofort erfolgreich kontern. Von dieser Aktion offenbar wachgerüttelt nahm er sich kurz darauf auch gleich noch Jens zur Brust.

Während ich die nächsten beiden Runden mit etwa 10cm Abstand an Jens' Hinterrad klebte, versuchte David verzweifelt Ansgar seinen zweiten Platz streitig zu machen. Der fuhr aber permanent Kampflinie und schmiss sämtliche Türen zu...
Auch in der letzten Runde reichte es für mich nicht um an Jens vorbei zu kommen. Doch in der letzten Linkskurve, nach Horsepower-Hill, ging ihm der Hinterreifen weg und er musste kurz aufmachen. Ich nutze die Gelegenheit und drückte mich beim umlegen nach rechts vorbei, erwischte den Scheitelpunkt aber nicht optimal. Trotzdem gab ich so früh wie nur irgendwie möglich Vollgas und blies zur Flucht in Richtung Ziellinie, verfolgt von der Angst Jens' Vorderrad würde sich jeden Moment neben mir zeigen. Aber es schien zu reichen und ich wurde als Vierter, mit nur 0,04 sec Vorsprung, abgewunken :-)

Jens erzählte mir später er hätte wohl locker wieder an mir vorbei gehen können, wenn nur der verdammte Gang nicht rausgesprungen wäre.... :-P

Etwa eine Sekunde vor uns hatte auch David noch einen Weg an Ansgar vorbei gefunden und sicherte sich mit 0,03 sec den zweiten Platz. Carsten, der schon seit Oschersleben in der Gesamtwertung uneinholbar war, holte sich den Rennsieg mit gut eineinhalb Sekunden Vorsprung.

Zurück in der Boxengasse, verkündete Robert noch ich hätte mit einer 2:15,2 die schnellste Rennrunde gefahren. Darauf war ich schon ein bisschen stolz, und das Feierabendweißbier schmeckte gleich noch a bisserl besser ;-)

Den Abend ließen wir mit Gegrilltem und dem einen oder anderen Hopfentee in der Box des Bauch Racing Teams, auch bekannt als die Strobls, in gemütlicher Runde ausklingen...



Der Samstag begann direkt mit den zweiten Qualifyings, die Robert hauptsächlich für eventuelle Wetterkapriolen eingeplant hatte. Wir fuhren alle für ein paar Runden raus, aber auf der Strecke war viel los, und auch sonst wären wohl so früh und kurz nach dem ersten Kaffee keine tollen Zeiten drin gewesen. Ein paar andere allerdings, unter anderem der alte Haudegen Heinz, konnten ihre Trainingszeit deutlich verbessern. Während die erste Reihe unverändert blieb, wurde Lutz auf den achten und Jens gar auf den neunten Startplatz verdrängt. Die Frage war, ob das unseren beiden Blitzstartern sehr weh tun würde - denn in der ersten Kurve sind sie ja doch meist irgendwo ganz vorne zu finden ;-)

Den restlichen Vormittag verbrachte ich mit frühstücken, am Nachmittag waren die Rennen über 15 Runden angesetzt.
Gestern war Lutz als Siebter ins Ziel gekommen. Er hatte also vier Punkte auf mich verloren, damit war ich genau einen Punkt vor ihm in der Wertung. Mein Minimalziel war also klar definiert: Hauptsache vor Lutzi ankommen! ;-)

Zuvor stand aber noch Papa's Rennen an. Aus der ersten Runde kam er an 31. Stelle, kämpfte sich dann aber recht zügig auf 27 vor. Diese Position hielt er in einem etwas einsamen Rennen bis ins Ziel. Überlegener Sieger wurde hier Mike Denz, knapp 24 Sekunden vor dem Zweitplatzierten...!!!

Junior begnügte sich mit den freien Trainings, am Vortag konnte er wegen der technischen Probleme nicht beim Rennen antreten und heute konnte er sich dafür nicht mehr so recht motivieren. Schade eigentlich...

Als letzter Punkt auf der Tagesordnung stand unser 600er-Rennen und damit das finale pro speed racer cup Rennen der Saison.

Carsten ging kurz vorher nochmal im freien Training raus, und kam mit einer verschrammten Honda wieder zurück. Offenbar wollte er sich in der warmen Nachmittagssonne für ein kleines Nickerchen in den Sandkasten legen ... aber ob das eine so gute Idee war ;-) Zum Glück war ihm selbst nix passiert, und auch am Moped schienen nur wenige Teile gelitten haben die schnell ausgewechselt waren. Doch als wir in die Besichtigungsrunde gehen wollten, sprang die Kiste leider nicht an und Carsten musste sich das Rennen von der Boxenmauer aus ansehen... :-(

Das rote Licht der Ampel war noch nicht ganz erloschen, da waren unsere Startkönige Jens und Lutz auch schon vorne bei der Musik dabei. Ich kam als fünfter aus der ersten Kurve, wurde auf der folgenden Gegengeraden von einer schrill schreienden Honda ausbeschleunigt und verlor auf dem Weg zur Senke einen weiteren Platz an Thomas - so kam ich als siebter über die Linie. Mein Minimalziel vor Augen bestand nun aber dringender Handlungsbedarf! Wild entschlossen schnappte ich mir Thomas bei der nächsten Gelegenheit wieder. Nun war ich direkt hinter der schreienden Honda, die von einem Petr - ich glaube es war ein Lokalmatador - pilotiert wurde. Vor ihm war Jens, und vor dem lag Lutz auf der dritten Position. Offenbar gingen wir alle einen schnelleren Rythmus als Lutz und so wurde er innerhalb der folgenden Runde um vier Plätze nach hinten durchgereicht. In Runde fünf ging Petr an Jens vorbei, eine Runde später konnte ich ihn überholen. Danach folgte ein Kampf über zehn Runden gegen Windmühlen. Petr war in einigen Ecken langsamer als ich, auf den Geraden ging seine Honda dagegen ab wie Schmitts Katze!
Nach einigen Anläufen versuchte ich mein Glück im Omega und bremste mich vor der zweiten Links vorbei. Im Anschluss fuhr ich um mein Leben, aber am Bergaufstück holte er sich scheinbar ohne jede Anstrengung seinen Platz wieder zurück.
In der nächsten Runde konnte ich mich auf dem Weg zur Senke nah genug an ihm halten, um vor der Rechtskurve wieder auf der Bremse zu überholen. Es dauerte immerhin bis zur Gegengeraden hinterm Fahrerlager als mich das zornig schreiende Geschoss erneut locker ausbeschleunigte. Der schien nur mit mir zu spielen.

Ich beschloss für ein paar Runden hinter ihm zu bleiben und auf möglichen Reifenverschleiß oder einen Fahrfehler zu warten. Doch er machte keine Fehler und auch sein Reifen schien so gut zu halten wie meiner. Ich versuchte nochmals Druck zu machen, blieb aber bis ins Ziel erfolglos. Immerhin legten wir noch bis zum letzten Meter zu und erreichten in der letzten Runde unsere persönlichen schnellsten Rennrunden.

Der Zieleinlauf sah folgendermassen aus: Ansgar, David, Petr, meine Wenigkeit, Jens, Thomas, Lutz, Heinz, ... Das offizielle Ergebnis war allerdings leicht modifiziert. Ansgar hatte sich einen deutlichen Frühstart geleistet und wurde so, dank einer empfindlichen Zeitstrafe, auf den zehnten Platz versetzt.
David freute sich über die Punkte, allerdings nicht so recht über den 'geschenkten' Sieg. Ausserdem hätte er so gerne die 2:14 geknackt, musste sich aber mit einer 2:15,0 - die auch die schnellste Rennrunde war - abfinden. Aber man braucht ja noch Ziele fürs nächste Jahr ;-)
Ich stand bei der Siegerehrung recht zufrieden auf dem Stockerl und freute mich die Saison auf einem persönlichen Höhepunkt abzuschliessen...

Nach einem wohlverdienten Weißbier begaben wir uns zum Abendessen in ein Hotel im nahegelegenen Ort Tetcice. Dort liessen wir es uns bei einem hervorragendem Mahl und ein paar Hopfentees richtig gut gehen und feierten den Saisonabschluß würdig...


Für die meisten von uns war die Saison gelaufen und der heutige Tag nur noch eine reine Spaßveranstaltung. Für die meisten, nicht aber für Papa-Schlumpf! Als großer Langstrecken-Fan kam für ihn endlich das Highlight der Veranstaltung...

Da ich mich in diesem Jahr schon zweimal den beim LeMans-Start unvermeidlichen Sprint zum Moped abhetzen musste, hatte dieses mal Papa die Ehre. Damit wurde ihm auch die Ehre zuteil, uns im Qualifikationstraining zu repräsentieren.
Ursprünglich hatten wir geplant im freien Training mal wieder einige gemeinsame Runden zu drehen. Aber Erich war gut damit beschäftigt ein paar Dinge am Fahrwerk zu testen. So ließ ich es erst mal völlig stressfrei angehen, nahm mir viel Zeit für Kaffee und aufwachen usw....
Um halb elf rollte Papa relativ entspannt zum Qualifying und bugsierte uns mit einer entspannten 1:80er Runde auf den 29. Startplatz. Auf dem prestigeträchtigen Siegerfoto würden wir so zwar nicht erscheinen;-), aber ansonsten war's im Prinzip wurscht wo wir stehen - 4 Stunden sind nun mal bekanntlich kein Sprintrennen, da hat man viel Zeit sich nach vorn zu kämpfen #-)

Unsere Boxenkollegen wollten da schon nen bisschen mehr wissen und stellten sich mit jeweils 2:17,x auf die Plätze 12 (David und Lutz) sowie 15 (Jens und Carsten). Die Pole sicherten sich unsere Nachbarn vom Bauch Racing Team dank Pit, der ja durchaus kräftig am Kabel ziehen kann...

Der Rest des Vormittages verlief unspektaktulär. Ich drehte gewohnheitsmäßig ein paar Runden zum einrollen. Ansonsten war Ruhe angesagt.
Papa überraschte uns völlig unvorbereitet mit seinen Qualitäten als Hausmann! Hatte er doch tatsächlich Dosenravioli zur Stärkung zubereitet - ein Talent das wir ihm gar nicht zugetraut hätten ;-)

Wenige Minuten vor dreizehnhundert em-eh-zet wurde die Boxenausfahrt geöffnet und exakt 50 Teams begaben sich zur Startaufstellung. Probestart und Aufwärmrunde verliefen ereignislos, dann richtige Startaufstellung. Die Piloten scharrten mit den Hufen, Robert riss die Startfahne nach oben, und 50 Verrückte sprinteten mehr oder weniger graziös zu ihren Maschinen.
Papa kam gut weg und machte direkt einige Plätze gut. Zurück an der Boxenmauer beobachteten wir wie sich Erich durchs Feld arbeitete, schon nach wenigen Runden hielt er sich relativ konstant auf Position 14. Ich zog mich in die Box zurück um mich auf meinen Turn vorzubereiten, eine volle Dröhnung Chevelle aus dem mp3-Player half mir mich vom Rest der Welt abzuschotten. Junior stand in der Zwischenzeit, zuverlässig wie immer, an der Boxenmauer.

Nach einer knappen Stunde kam Papa's Zeichen zum Fahrerwechsel. Unsere Befürchtung wir würden aufgrund des Spritverbrauchs keine ganzen Stundenturns schaffen bestätigte sich. Eigentlich hatten wir gehofft mit nur 3 Boxenstopps durchfahren zu können...
Nach 25 Runden enterte er, inzwischen auf Platz 7 liegend (!), die Boxengasse.
Papa-Schlumpf stoppte neben mir, Junior wechselte die Armbinde zu mir, klopfte mir auf den Rücken, und ab ging die Post. Der Wechsel kostete uns im Endeffekt zwei Platzierungen und ich lag direkt hinter Jens. Ich nutzte die Gelegenheit und hing mich direkt dran um gleich in einen guten Rhythmus zu kommen.
Irgendwann kapierte ich, was mir Junior schon die ganze Zeit anzeigte. Jens fuhr nicht nur so vor mir her, sondern er lag auch im Kampf um die Platzierung direkt vor uns. Überholen wäre also durchaus nützlich ;-) Nach zwei, drei Versuchen klappte es auch recht fluffig – allerdings vermute ich dass er schon was länger draußen war, sonst hätte das mehr Anstrengung erfordert...

Der Rest des Turns verlief ohne besondere Vorkommnisse und ich kam in Runde 50 zum nächsten Fahrerwechsel. Papa und Junior standen schon bereit, Junior erfüllte seine Aufgaben routiniert, schickte Papa auf die Reise und nahm mir freundlicherweise das Moped ab.
Von Erichs Turn bekam ich nicht viel mit, da ich mit Salat essen, Wasser trinken, auftanken und mich etwas erholen beschäftigt war.
Durch den Wechsel hatten wir keine Plätze eingebüsst und Erich hielt den ganze Zeit über die siebte Position. In Runde 76 kam er mit fast leerem Tank wieder und wir wechselten uns erneut ab.

Ich lief sehr bald auf eine Ducati 1098 auf, die mich in den Kurven etwas aufhielt, auf den Geraden aber ihr Hubraum- und Leistungsplus voll ausspielte. Rundenlang versuchte ich an allen möglichen und unmöglichen Ecken mich vorbei zu quetschen, aber es reichte nie ganz um schlussendlich erfolgreich auf der Bremse zu vollstrecken.
Mein Plan war nun irgendwie vorm Omega zu überholen, um im kurvigsten Teil der Strecke eventuell gleich genug Meter zwischen uns zu legen und so dem Rückschlag des Pferdestärken-Imperiums zu entgehen. Die Gegengerade hinterm Fahrerlager konnte ich mich halbwegs gut halten um auf der Bremse die Lücke wieder zu schließen und dann, so der Plan, beim Umlegen von der Links auf die Rechts durchzuwischen...
Der Plan schien aufzugehen, beim einlenken auf die Links verringerte sich der Abstand auf Briefmarkengröße, ich legte mir schon die Linie zurecht und ... SCHEISSE! Was war das?!?! Völlig unvermittelt ging in maximaler Schräglage das Hinterrad weg und schon schlitterte ich quer über die Fahrbahn. Den Lenker ließ ich nicht los, R6 und ich drehten uns um 180 Grad und wir rutschten gemeinsam ins Kiesbett. Die Kiste lag auf meinem linken Bein, es wurde kurzzeitig merklich warm am Oberschenkel, und schwupps – kamen wir im Kiesbett sofort zum stehen.
Während ich aufstand, checkte ob noch alles mir dran war und das Moped wieder in die Aufrechte brachte, stand auch schon ein Streckenposten bei mir und wollte helfen das Gefährt an den Streckenrand zu bringen. Dazu hatte ich aber keine Lust, denn an der guten alten R6 schien soweit alles zu passen und sie sprang auch sofort wieder an. Außerdem fuhren wir hier ja ein Langstreckenrennen und da ist noch immer ankommen die oberste Direktive! Ich machte dem guten Mann also mit Händen und Füssen klar, dass mir nix fehlt und ich weiterfahren will. Er verstand und ließ mich von dannen ziehen....


Vollgepumpt mit Adrenalin enterte ich wieder die Piste und fuhr erst mal vorsichtig weit Abseits der Ideallinie um Bremsen und sonstige Funktionalitäten zu checken. Nachdem sich alles korrekt anfühlte, begann ich wieder etwas am Kabel zu ziehen und steigerte mich langsam wieder auf 18er und 19er Runden. Für konstante 17er wie im Turn zuvor reichte es allerdings nicht mehr, weil dann doch das letzte Quäntchen Vertrauen fehlte. Mir wollte nicht so recht klar werden warum ich denn eigentlich abgeflogen war. Lag es daran, dass ich einfach zu forsch in die Kurve ging oder hatte der Italo-Zweitopf Flüssigkeit verloren oder was?! Ich sinnierte eine Zeit lang darüber, war aber im gleichen Moment froh direkt weitergefahren zu sein und machte mich nicht groß verrückt deshalb...

Kurz vor Ende kam was kommen musste. Die Reservelampe meldete sich zu Wort, ich rechnete hin und her, aber es würde nicht reichen. Also enterte ich die Boxengasse, bog mit schleifendem Knie ein, riss das Gas noch mal voll auf, bremste mit leicht werdendem Hinterrad auf die in der Boxengasse errichtete Schikane zu und übergab die Armbinde schließlich nochmals an Papa, der darauf hin nur noch 2 Runden absolvieren musste um die 4 Stunden zu beenden...

Junior fragte mich, was denn los gewesen sei und warum wir nur noch auf Platz 12 statt auf 7 sind??? Ich berichtete von meinem Ausflug in eins der Betten aus Kies und wir begutachteten den entstandenen Schaden. Am Moped war lediglich die Fußraste etwas an- und der Carbon-Lima-Schutzdeckel durchgeschliffen. Beim Stiefel war der Außenschuh teilweise durch und der Lederkombi hatte ein paar leichte Blessuren. Alles in allem also richtig Schwein gehabt... :-)

Als Erich nach 103 Runden auf dem 12.Platz abgewunken wurde und wieder zurück in der Box war, erzählte ich noch mal die gleich Geschichte.

Jetzt war erst mal ein Feierabendbier fällig. Gemeinsam standen wir bei der Siegerehrung und klatschten den Siegern und Platzierten den verdienten Beifall.

Gesamtsieger waren Pietsch, Denz und Bauer. Schnellstes 600er-Team waren Carsten und Jens mit Platz 7 in der Gesamtwertung, kurz dahinter auf 9 folgten David und Lutz.

Trotz des kleinen Ausrutschers meinerseits war es ein schöner Tag gewesen und insgesamt eine saumäßig gute Veranstaltung.

Jetz geht's erst mal in die Winterpause, um die eine oder andere Kleinigkeit zu reparieren, evtl. wieder auf zu hübschen und vor allem um das Bankkonto zu konsolidieren ;-)

Um die Winterpause nicht so unerträglich lang zu gestalten, werden wir Schlümpfe voraussichtlich Ende Februar wieder eine spanische Woche einlegen. Und zwar eine Woche Albacete mit unseren Freunden von Suzuki Debus.

 

 

 

Termine 2010

  • 29.03. - 01.04. Alcarras
  • 07.05. - 09.05. Most
  • 11.06. - 13.06. Brno
  • 25.06. - 27.06. Pannonia
  • 16.07. - 18.07. Slovakia
  • 21.08. - 22.08. Lausitz
  • 17.09. - 19.09. Most

prospeed racer cup 2010

SPORTBIKES (nach 11 von 11 Rennen)
1. Carsten Thiemann
204
2. Tom Gasteiger
167
3. Jens Krause
126
4. David Pfitzner
106
5. Martin Jochum
48
6. Peter Greppmair
41
7. Barbara Pulfer 39
8. Tom Wagenhofer 30